New York Noise

Art and Music from the New York Underground 1978-88

Text: Detlef Diederichsen

Es wird ja heute viel und oft über den Niedergang der kreativen Szene der Stadt gejammert. Und wahrscheinlich wird es für künftige Generationen kaum denkbar sein, dass mittellose Kreativtypen einfach von Sonstwo, Minnesota, nach New York kommen und nicht nur in den schönsten Glasscherbengegenden von Manhattan sofort eine Unterkunft für fast umsonst finden konnten, sondern dort auch gleich mit offenen Armen empfangen wurden und innerhalb eines Wimpernschlages zu gestandenen Künstlern oder Punk-Rockern bzw. meistens beidem heranreiften. »There was a feeling that one could incubate one’s work inside the supportive bubble of a close and sometimes desperate community«, schreibt David Byrne in einem der vielen kurzen Texte in diesem Buch.

    Was die New Yorker Szene auszeichnete und unterschied etwa von derer Londons (und von den Kleinstszenen westdeutscher Großstädte) war die Durchlässigkeit zwischen den Disziplinen: »People were experimenting with making art, being in a band, making a film or being a stand-up comic«, schreibt Cindy Sherman. »Perhaps it was because until then, there were few precedents for making money at any of those things, so there was little pressure and therefore freedom to try anything. Perhaps this happened then (and not earlier) because art itself had become an amalgam of disciplines, not merely painting and sculpture anymore.«

    Die von Fotografin Paula Court gesammelten Bilder bringen natürlich auch die Unsicherheiten, Fehltritte und Naivitäten zum Vorschein, die womöglich das Vorrecht der Jugend sind. Hier zeigen sie sich vor allem in einer mitunter verzweifelten Gestyltheit. Zu jener Zeit war es, glaube ich, dass die Renaissance des Wortes ›cool‹ begann. Natürlich sind die Fotos in »New York Noise« schwarz-weiß, natürlich sind alle Menschen, selbst die unscharfen Hinterbänkler im Publikum, gestylt, oft gestylt ungestylt. Nur dass selbstverständlich nicht jeder, der ums Verrecken cool sein will, es dann auch ist. Ach, ja. So war das eben damals.

    Dann sind da auch einige herausstechende Einzelbilder: ESG mit ihren Eltern, Suicide zu zweit auf einer riesig wirkenden Bühne von schräg oben, William Burroughs wie immer tadellos herausgeputzt mit Anzug und Krawatte bei einer Lesung. Und auch dass Steve Buscemi damals dort eine Rolle spielte, lehrt einen dieses Werk.

    So funktioniert »New York Noise« exzellent als Zeitreise-Vehikel in die Gründerzeit von New Wave, New Yorker Machart (darfst auch »No Wave« dazu sagen) bzw. als Bildspur zum Revival einer für immer untergegangenen Kultur.

LABEL: Soul Jazz

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 31.12.2007

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