British Sea Power

Do You Like Rock Music?

Text: Frank Lachmann

British Sea Power sind sicher nicht mehr nur eine Band, die mal den Support für Interpol gemacht hat oder durch außergewöhnliche Bühnenshows auffällt. Die ein wunderbares Debütalbum und einen eher mittelguten, weil stellenweise ziemlich übersüß gewordenen Nachfolger abgeliefert haben. Und die eine – Klischee! – kleine, aber treue Fangemeinde hat. Nach diesem dritten Album scheint es vollkommen selbstverständlich, dass British Sea Power angekommen sind, dass sie einen Wikipedia-Eintrag verdient haben, dass Bands mit ihnen verglichen werden, anstatt nur andersrum, dass sie einem spontan dann einfallen, wann immer es um Schrammelrock mit einer gewissen Leck-Mich-Attitüde geht.

    Mit »All In It« schleicht sich »Do You Like Rock Music?« anfangs noch eher dezent in die Wahrnehmung hinein, das darauf folgende »Lights Out For Darker Skies« setzt aber deutlich die Eckpunkte, an denen sich das Album ausrichten will: hier geht´s um Euphorie, um adoleszente Jungs, um Enthusiasmus, um Hymnen und Pathos. All das aber eben nicht nur als gut verpackte Spielfreude und in Musik gegossene Bolzplatzatmosphäre wie bei so vielen Nachwuchskapellen der letzten Monate, sondern filigran und ernsthaft, oder vielmehr noch: ernstgemeint. Gerade die Hymnenhaftigkeit steigert sich bis zur Mitte des Albums ins fast Unerträgliche. Spätestens bei »Canvey Island« oder »Down On The Ground« grinst man dann ob all der schweren Geschütze: nicht nur die eingängigen Refrains (»No Lucifer«), die Chöre im Hintergrund (gerade noch so dezent, dass es noch nicht tacky wirkt) und das geradezu wunderbar sinfonische, das in allen Kompositionen durchklingt. Nur die Single »Waving Flags« übertreibt es vielleicht ein kleines bißchen mit dem Pathos und kippt stellenweise ins Kitschige, bleibt damit aber zum Glück die Ausnahme auf dem Album.

    Natürlich ist das Grinsen dann irgendwann auch so ein leicht ironisches, weil man sich beim Hören immer wieder dabei ertappt, gut gelaunt mitzupfeifen. Und gute Laune geht natürlich nicht für ernstgemeinten Rock. Aber es ist auch ein eher schräges und improvisiertes Mitpfeifen, es ist ein Pogo-Mitgröhlen, es ist ein Schwitzen und ein subtiles Lächeln, kein einfaches ›Grinsen‹.

    Produziert wurde »Do You Like Rock Music?« unter anderem von Efrim Menuck, und »The Great Skua« könnte dann in der Tat ein Song von A Silver Mt. Zion sein, wäre er dafür nicht ein wenig zu kurz geraten. Fast vier herzzerreissende Minuten lang schleppen sich die Gitarrensounds von Takt zu Takt, unterstützt von manisch geprügelten Drums, bis zur Auflösung kurz vor Schluß, die man unbedingt so laut hören sollte wie nur möglich – gerade so, als wollten British Sea Power »a postrock-lesson in 4’35’« geben. Abgefedert vom etwas zugänglicheren »Atom« im Anschluss gibt’s danach leider nur noch zwei in Songs gegossene Verschnaufpausen vor dem Outro. Gerade hier beim eher überraschenden Ende hätte man sich vielleicht eine bessere Dramaturgie gewünscht. CDs lassen sich aber ja zum Glück mehrfach abspielen.

LABEL: Rough Trade Records / Beggars Group

VERTRIEB: RTD

VÖ: 18.01.2008

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