Black Mountain

In The Future

Text: Michael Lutz

Stephen McBean ist ein ganz eigenbrötlerischer Kauz. Im Verband der Black Mountain Army, einem vielköpfigen Musikerkollektiv, das sich vor einigen Jahren in Vancouver formierte, arbeitet er mit wechselnden Besetzungen an seinen Projekten Jerk With A Bomb und Pink Mountaintops. Seine Hauptband Black Mountain besteht allerdings aus fünf festen Musikern, denen McBean als Sänger und Songwriter vorsteht. Sie debütierten im Jahre 2005 mit einem selbstbetitelten Album, das ein Bekenntnis zum schweren, progressiven Rock der sechziger und siebziger Jahre war. Es barg keinerlei innovative Soundentwürfe, überzeugte aber durch McBeans ambitioniertes Songwriting und seinen authentischen Vortragsstil. Dass er sich ganz seinen Idolen Pink Floyd, Led Zeppelin und Black Sabbath verschrieben hat, versuchte McBean noch nie zu verhehlen.

    Es mag daher seltsam erscheinen, dass das zweite Black-Mountain-Album den Titel »In The Future« trägt, versprüht doch auch dieses Werk von der ersten Sekunde an einen nostalgischen Geist, der alle bereits bekannten Referenzen sofort wiedererkennen lässt. Zukunftsbezogen wirken allein die Texte, in denen McBean beklemmende Dystopien spinnt und sein ganzer Defätismus zum Vorschein kommt. Der frühere Polytoxikomane sieht darin eine ehrliche, realistische Haltung gegenüber der Welt und würde am liebsten seine ganze Präsenz in die Vergangenheit verlagern. Auch durch die Instrumentierung setzt der zu spät Geborene ein Statement, digitale Einflussnahme auf seinen Sound scheut er wie eine Katze das Wasser.

    Statt modernen Samplern oder polyphonen Synthesizern benutzen Black Mountain ein altmodisches Mellotron und analoge Minimoogs, schneiden dann mit diesen warmen, fiepsig-wimmernden Klängen durch die massiven Gitarrenwände, die sie mit ihren statischen Jams mauern. Das trocken scheppernde Schlagzeug gibt einen steten Groove vor. Space-Riffs, dezentes Folk-Fingerpicking, Wahwah-Effekte und heulende Orgeln betten sich darin ein und entwickeln einen zwingenden, psychoaktiven Sog, den McBean und seine geniale Gesangspartnerin Amber Webber mit ihren hellen, gequälten Stimmen am Versickern hindern. Dass diese Zeitreise zurück zu ihren Einflüssen so faszinierend ausfällt, hat einen einfachen Grund: Black Mountain verlassen sich zu hundert Prozent auf ihre Instinkte.

LABEL: Jagjaguwar

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 25.01.2008

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