Review: Tocotronic Kapitulation Live

Nachdem man sämtliche Tocotronic-Platten im Regal hat, nachdem man alle zwei, drei Jahre ein Konzert der Dandy-Rocker besucht hat, fragt man sich: wozu noch dieses Live-Album? »Tocotronic Live« ist das erste reguläre der Band, sieht man von den auf dem Re-Issue von »Nach der verlorenen Zeit« herausgegebenen »Karmer-Tapes« eines sehr frühen Auftritts ab.

    Zunächst bekommt man eine schöne Erinnerung an die »Kapitulation«-Tour, auch wenn man nicht gerade im Hamburger Kampnagel dabei war; dort wurde das Konzert aufgezeichnet. Natürlich ist es mit einer Laufzeit von knapp mehr als einer Stunde viel zu kurz. Überhaupt fällt auf, wie viele wichtige Lieder fehlen: das Repertoire an relevanten Songs ist einfach zu groß. »Freiburg« freilich ist dabei, inklusive Feedback-Gewitter und Dirk von Lowtzows herrlich überdrehter Beschwörung »Music is the healing force of the universe«.

    Die Stoßrichtung der Lieder hat sich über die Jahre hinweg verändert. Früher sangen sie nur darüber, was sie nicht mochten. Seit »K.O.O.K.« richtet sich der Blick eher nach innen. Dabei – um dies festzustellen eignet sich die Live-Platte hervorragend – hat die Band stets den Strich gezogen: zwischen dem Ich in den Texten und den anderen, die »uns erzählen wollen«, mit denen man »viel zu lange mitgegangen« sei. Die zwei Hits des Albums »Es ist egal, aber« kommen überraschend früh im Konzert – und fügen sich bruchlos ein in die Reihe der neuen Stücke, die Ruin und Kapitulation als Errungenschaften und Nichtstun als Akt der Dissidenz formulieren. Es ging und geht Tocotronic immer darum, das Ich zu behaupten, die Rezepte der anderen im Zweifel abzulehnen.

    Und es gibt ja auch kaum Tocotronic-Stücke, die sich an ein Du richten: auf der Live-CD zwei von 14, »Imitationen« und »Jackpot«. Dazu kommt das beim Soundcheck aufgenommene und als Bonus-Track an das eigentlich abschließende »Freiburg« drangepappte »Wehrlos«. Dandys sind sich selbst genug.

LABEL: Vertigo

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 11.01.2008

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