Trent Reznor - Katerstimmung nach Saul Williams-Vertrieb

Text: Walter W. Wacht

NiggyTardustBei Radiohead war die Sache eindeutig: die DiscBox wurde bestellt, ohne vorab die Musik gehört zu haben. Die Idee und die Vertriebsform beeindruckten uns hier in der Spex-Redaktion, die »40 Pfund für anderthalb Kilo« gingen durchaus klar. Saul Williams und sein Produzent Trent Reznor lancierten kurze Zeit später eine ganz ähnliche Kampagne: das neue Saul Williams-Album »The Inevitable Rise and Liberation of NiggyTardust!« konnte man legal und kostenfrei aus dem Netz herunterladen, bezahlen konnte man für den Download inklusive PDF-Artwork bei Gefallen ebenfalls: dafür fiel ein Fixpreis von fünf US-Dollar an. Zwei Monate nach der Veröffentlichung am 01. Januar zieht Trent Reznor nun Bilanz – und zeigt sich deutlich ernüchtert.
»I’m not sure what I was expecting but that percentage – primarily from fans – seems disheartening.« Entmutigend, soso. Das Experiment darf man wohl als missglückt bezeichnen, die Vertriebsform im Falle Saul Williams blieb weit hinter den Erwartungen Reznors zurück. Lediglich 18 Prozent der knapp 155.000 Downloads seien bezahlt worden, so Reznor in einem Blog-Eintrag: »I have to assume the people knowing about this project must either be primarily Saul or NIN fans, as there was very little media coverage outside our direct influence. If that assumption is correct – that most of the people that chose to download Saul’s record came from his or my own fan-base – is it good news that less than one in five feel it was worth $5?«

Im Gegensatz zu Radiohead legte Reznor auch detaillierte Informationen zum Vertriebskonzept offen: demnach wurde »... NiggyTardust« insgesamt 154.449 mal heruntergeladen, 28.322 User hätten Reznors Angaben zufolge bezahlt. Davon wiederum wählte der Großteil (19.764) das mit 320 Kbit-kodierte MP3-Format, 3.220 User entschieden sich für 192-Kbit-MP3s und 5.338 für das hochqualitative FLAC-Format. »I spent too much making the record«, blickt Reznor auf den Aufnahmeprozess zurück. Dabei erging es dem gespann Reznor/Williams wie so vielen anderen im Popgeschäft: hohe Investitionen, hohes Risiko, geringer Verdienst: »An A-list team and studio, Musicane fees, an old publishing deal, sample clearance fees, paying to give the record away (bandwidth costs), and nobody’s getting rich off this project.« Müssen wir uns schämen? Hier sitzen vier Redakteure die wie 126.123 andere User nur Bandbreite auf Niggytardust.com gekostet haben.

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Die Musikindustrie des 21. Jahrhunderts - wo geht es lang?:

    [...] Erfahrung durfte auch unser frischgebackener Oscar-Gewinner Trent Reznor schon machen: http://www.spex.de/2008/01/04/trent-...liamsvertrieb/ Ich denke eher das die bestehenden Strukturen und Modelle angepasst werden: YouTube und [...]

     
 
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