LCD Soundsystem 45:33

Text:

Was hat man ihm nicht alles vorgeworfen und moniert: Einen Pakt mit dem Teufel sei er eingegangen, namentlich dem Sportartikelhersteller Nike, für dessen »Nike+«-Kampagne in Kooperation mit einem weiteren Global Player – iTunes – er »45:33« ins Rennen geschickt hatte. Ein konzeptueller Trainings- bzw. Jogging-Soundtrack für eine körperstählende Elite, die sich mit Musik in digitalem Format zufrieden gibt, wetterten erboste Fans. James Murphy, Chef-Honcho des DFA-Labels, das sonst vornehmlich auf Vinyl veröffentlicht, hatte neben den Bünden mit dem Großkapital und dem unter seinen Fans unbeliebten Tonträgerformat aber noch ein zusätzliches Ärgernis zu vermelden: Man konnte das Biest auf legalem Wege in Europa nicht erwerben. Nur der nordamerikanische iTunes-Store führte es im Programm. Und das war dann in der Tat äußerst ärgerlich.

    Als Appetizer für das damals noch nicht veröffentlichte »Sound Of Silver«-Album fungierte »45:33« dennoch hervorragend. In den Blogs wurde hitzig diskutiert, von einem Mix bestehend aus Stücken des kommenden Albums war die Rede und sehr gut sollte er auch sein.
Nun, das ist er. Auch ein Jahr später noch.

    Mittlerweile ist das Stück samt der drei nicht zu verachtenden B-Seiten »Freak Out / Starry Eyes«, »North American Scum (Onastic Dub Mix)« und »Hippie Priest Bum-Out« als CD erhältlich. Ein Vinyl gibt es auch, was wiederum einige DJs freuen wird. Es bleibt ein erstaunlicher kosmischer Soundtrack, der einen nicht durch monoton-repetitive Gleichmäßigkeit und behutsame Schichtung von Elementen (wie beispielsweise Manuel Göttschings »e2-e4«, dazu später mehr) in den Bann zieht, sondern im Verlauf der Reise das Tempo immer wieder variiert und dabei einem Gemischtwarenladen erster Güte nahekommt. »45:33« ist mit allerlei pophistorischen Zitaten von Kraftwerk über Talking Heads bis zu Krautrock gespickt, streift und durchquert Soft Rock, Punk, Funk, Disco, House und Ambient und wirbelt dabei Jazz-Pianos, Kuhglocken, Acid-Basslines, analoge Synthies, Glockenspiele, Vocoder und derilierende Saxophone durcheinander. Vor allen Dingen: Das Biest wird nie langweilig.

    Bei der physischen Veröffentlichung auf der Strecke geblieben ist leider das Artwork des digitalen Files. Dort war unter anderem eine grafische Kurve zu sehen, die die Intensität und Dramaturgie der rund 46 Minuten illustrierte und optisch wiedergab, so wie sich Jogging-Muffel James Murphy den Verlauf eines Workout-Programms vorstellt. Ebenso weichen musste das grau-rote Schachbrettmuster. Nachdem Murphy gegenüber dem Guardian erklärte, er habe auch mal eine Aufnahme wie »e2-e4« machen wollen und dessen Cover nun mal einem Schachbrett ähnelte, folgten bald Plagiatsvorwürfe seitens Manuel Göttschings Management. Nun, man hätte es auch als Hommage (oder als weiteres Schachbrett …) begreifen können, aber scheinbar hat Murphy es geschafft, sich mit »45:33« in viele Nesseln zu setzen. Die Geschichte lehrt: Das spricht meistens für die Musik. »45:33« ist jetzt schon ein moderner Klassiker.

LABEL: DFA Records

VERTRIEB: EMI

VÖ: 16.11.2007

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