Diverse

Pop Ambient 2008

Text: Carlos de Brito

Rechtzeitig zur kalten Jahreszeit erscheint eine neue Auflage der populären »Pop Ambient«-Reihe aus dem Hause Kompakt. Ähnlich monolithisch wie manche Stücke, die im Laufe der Jahre darauf erscheinen sind, dürfte der Status dieser Compilation-Reihe sein. Die achte Edition bereits erscheint in diesen Tagen, fast ist man versucht angerostete Begriffe wie ›Tradition‹ und ›Wertarbeit‹ für diese konstante Leistung zu bemühen. In jedem Fall dürfte die jährliche Zusammenstellung für viele Hörer eine der wenigen Gelegenheiten sein, sich mit Ambientmusik abseits der Einkaufsradio-Dudeleien zu beschäftigen.

    Für Spezialisten des Genres, aber auch für Novizen mag »Pop Ambient 2008« etwas zu generisch geraten zu sein. Erstere weil sie wiederkehrende Namen entdecken (Markus Guentner, Ulf Lohmann, Klimek, Thomas Fehlmann etc.), zweitere weil in den Stücken ›wenig bis nichts passiert‹. Mir soll es recht sein, der Sampler kommt zur richtigen Zeit und richtig dosiert.

    Neben den jeweils zwei schönen Stücken von Markus Guenther und Ulf Lohmann, neuen Tracks von Triola, Andrew Thomas und All (huch, Comeback?) glänzt »Pop Ambient 2008« im zweiten Teil mit dem Trio Klimek, Popnoname und DJ Koze, die die herausragende Strecke dieser CD bzw. des Vinyls formen.

    Klimek lässt in »The Ice Storm« Streicher und Sirenen raumfüllend wehklagen und könnte damit zarte und traurige Seelen an den Rand der Ohnmacht bringen – oder sich mal von Burial remixen lassen. Genauso wie Popnoname, dem wiederum der Ehrenpreis gebührt und eine Zweitverwertung für großes Kino. Bei seiner mächtigen, ja majestätischen Komposition »Fembria« möchte man glatt mutmaßen, dass sie auch die strengen Kriterien eines Stanley Kubrick erfüllt hätte – die perfekte Musik für ein in Slow-Motion gefilmtes Einparkmanöver im All. Oder – wie der Name suggeriert – einen Nachtspaziergang auf Fehmarn. Tipp. Im Anschluss lässt DJ Koze geradezu nahtlos sehnsuchtsvolle Schleier wehen, und auch das Knistern fehlt nicht, es geht schließlich um »Nymphe und Schäfer«.

    Sollte »Kappsta 2« tatsächlich etwas mit »abkappen« zu tun haben, so ist das The Field bzw. dem Kompilierenden bezüglich der Stimmung gelungen. Das fast schon treibende Stück reißt einen aus den Tagträumen (bzw. Schäferstündchen) und ist neben der etwas unruhigen und in diesem Ambient-Kontext zu agilen »Camilla« von Thomas Fehlmann der einzige Schwachpunkt der 2008er Edition. Ansonsten überwiegt die Freude. Alle Jahre wieder.

LABEL: Kompakt

VERTRIEB: RTD

VÖ: 16.11.2007

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