Will Saul

Simple Sounds

Text: Matthias Schönebäumer

In den Genuss, für das eigene Label als Trüffelschwein und künstlerische Vorzeigefigur herhalten zu dürfen, kommen zwar nicht wenige Produzenten elektronischer Tanzmusik, aber wohl nur eine Handvoll können sich mit der businessgeschulten Strategien des ehemaligen Wirtschaftsstudenten und Sony-Angestellten Will Saul messen, mit der dieser seine Labels Aus Music und Simple Records in den letzten Jahren nach vorne gebracht hat. Denn Saul hat nicht nur die ›skills to pay the rechnungen‹, sondern Geschmack (Achtung, das Wort kommt irgendwann nochmal vor. Bitte Stift und Zettel bereithalten). Davon zeugt seine wirklich sehr schöne Compilation »Simple Sounds«.

    Da scheinbar kein elektronischer Act mehr ohne Doppel-CD auskommt, präsentiert Will Saul exklusiv auf CD 1 eigene luftig fließende House Music-Produktionen, die keine Berührungsängste mit Ambient-Sounds kennen und shuffeligen Disco ebenso in ihrem Koordinatensystem verortet wie angezickten Wave. So mögen wir das. Der verschwenderische Rumms ist allerdings nicht Sauls Sache, dafür sind seine Tracks zu exakt auf eine bestimmte Atmosphäre, oder besser: eines Designs, gearbeitet. Sehr relaxed umkreisen sich die Arrangements, um hin und wieder eine minimalistische Melodie freizugeben. Eindeutige Referenzen an die Detroit/Berlin-Achse und die neue Deephouse-Schule um das Innervisions-Label sind herauszuhören, aber die eigentliche Coolness offenbart sich in der Reduktion der Tracks auf eine doch sehr originäre Dezenz.

    Interessant wird es vor allem dann, wenn Saul die Zitierwut packt, wie auf der großartigen Knight Rider-Hommage »Kitt« (»You don´t have to yell, Michael, I´m all around you«) mit seinem organischen Funkbass, den schleichenden Deephouse-Akkorden und der phantasmagorischen Düsterpeitsche »Cubrika«. Den Rest der Spielzeit überlässt Will Saul Kollegen wie Wahoo, Gui Boratto und 2020 Soundsystem, die Sauls Tracks in Richtung Tanzbarkeit neu überdenken und damit nicht viel falsch machen können. Der perkussive »Mbira«-Remix des Berliner Duos Wahoo fällt erwartungsgemäß fluffig aus, während Gui Boratto den »Sequential Circus« zu einer hypnotisch-flirrenden Angelegenheit umfunktioniert, deren Minimalismus immer noch genug Soul besitzt. Den Hit »Pause« unterziehen 2020 Soundsystem einem psychedlischen Vollwaschgang samt epischen Strings bis zum Horizont, unter dem sich Keyboardwürmchen, die aussehen wie Bernie Worrell, sonnen.

    CD 2 bietet noch mehr schöne Musik, alles aus Will Sauls eigenem Garten und handgemischt. Verspultes (MyMy) und Verspieltes (Sideshow), Frech-Derbes (Phonique im sensationellen Spirit Catcher-Remix) oder ganz und gar entrückend Schönes (Marc Romboys »Sunburst«) zieht da in einem nächtlichen Soundtrack warm an einem vorüber und man fragt sich, wie es dieser Will Saul wohl anstellt. Geschmack, Leute, ganz einfach Geschmack. Siehe oben.

LABEL: Simple Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 19.10.2007

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