The Brunettes

Structure & Cosmetics

Text: Christian Rief

Neues aus der Abteilung »So hübsch kann Pop sein«. Heute am Start: The Brunettes, ein Duo aus Neuseeland, das bereits 2004 als Support für The Postal Service auf sich aufmerksam gemacht hat und prompt von Sub Pops grauer Eminenz Jonathan Poneman unter Vertrag genommen wurde. Tourneen mit den Shins folgten, die als bekennende Fans ihr Equipment für die Aufnahmen zu »Structure & Cosmetics« zur Verfügung gestellt haben.

    Heather Mansfield und Jonathan Bree zeigen sich darauf als Liebhaber eines an den sonnigeren Seiten der sechziger Jahre orientierten Sounds, der alten wie neueren Helden die Ehre erweist: Beach Boys, Dusty Springfield und Tommy James & The Shondells hier, Eels oder Magnetic Fields da. Die Architektur im Titel ihres dritten Albums stiftet allerdings etwas Verwirrung: Mansfield und Bree finden offensichtlich großen Spaß daran, sich von klassischen Strukturen zu lösen, um danach die Einzelteile mit allerhand hübschem Beiwerk wie Glockenspiel, Xylophon und Klarinetten neu zusammenzubasteln.

    Kosmetik statt Strukturen. Musik mit Mut zu großen Lücken und Löchern, durch die permanent der Geist infantilen Rumprobierens weht. Spielereien in einem großen Kinderzimmer sind das, immer verbunden mit dem Hinweis: »Bitte nehmt uns nicht so ernst, wir machen nur Spaß!«. Kein Wunder also, wenn plötzlich ABC aus dem Schrank springen (»Obligatory Road Song«), die junge Vanessa Paradis durchs Zimmer tobt (»Small Town Crew«) oder die Beta Band auf einen würzigen Kinderpunsch vorbeischaut (»Stereo«). Und wenn man den Hang zu außergewöhnlicher Instrumentierung und die Lust an deren bisweilen symphonischer Anhäufung betrachtet, kommt einem noch ein weiterer sympathischer Kindskopf in den Sinn: Sufjan Stevens und seinem furchtlosen Balancieren zwischen größter Rührung und Kitsch kommen The Brunettes manchmal ganz schön nah. Da müsste also nur noch ein Weihnachtsalbum nachgelegt werden. Vorstellen kann man sich das gut, die richtige Zeit dafür wäre schließlich auch.

LABEL: Sub Pop

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 16.11.2007

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