Egotronic
Lustprinzip
Text: Moritz Körner
Egotronic mögen es provokant. Das war schon vor einem Jahr so, als Torsun, Sänger und Gründungsmitglied, mit Freunden pünktlich zur Weltmeisterschaft von sich reden machte. In bester Scooter-Manier wurde eine Coverversion der antideutschen Stadienhymne »Ten German Bombers« veröffentlicht, um wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit auf die Nationaltümelei zu richten, welche damals stark unterstützt durch den deutschen Fussballwahn vorherrschte.
Auch auf dem neuen Album »Lustprinzip« hat sich daran nicht viel geändert. Zwar wird textlich meist dem Hedonismus gefröhnt, allerdings gibt es immer wieder auch Zeilen, die den unangenehmen Beigeschmack einer linken Plattitüde tragen (z.B. »Deutschland soll brennen«). Man wird ein wenig allein gelassen mit der Aussage, die hinter einigen Liedern doch stark hervorsticht. Soll man sowas jetzt einfach gut finden oder ist ein solches Statement eher mit Vorsicht zu genießen? Inwieweit kann eine solche Warenförmigkeit, die jede Form von Pop nun einmal innehat, denn überhaupt linksextreme Kritik enthalten, ohne dabei ein lächerliches Spotlight auf sich selbst zu werfen?
Letztendlich ist diese Form doch nur nette Unterhaltung, die von einer gewissen Randgruppe gefordert wird. Wenn dann nicht der richtige Stempel auf der Verpackung zu finden ist, wird das mit den eigenen Weltbildern nämlich relativ schwierig. Torsun gibt laut eigener Aussage auch nur der Forderung nach Extremen nach. Nimmt man dann einmal von der textlichen Ebene des Albums Abstand, haben Egotronic einen musikalischen Wandel hinter sich.
Da, wo früher der C64 zum Einsatz kam, hat man sich jetzt wohl mehr an den Labelkollegen wie zum Beispiel Bratze orientiert. Derbe Beats und drückende Basslines paaren sich mit rotzigem Gesang und gehen kräftig nach vorne. Nur glatt ist das ganze nicht unbedingt, die Punkvergangenheit hinterlässt immer noch kräftig Dreckschlieren im bandtypischen Sound. Letztendlich mögen Egotronic zwar Musik machen, die auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten ist, aber wer eine gewisse Affinität zu Techno sein Eigen nennt und sich dabei noch mit den Texten arrangieren kann, dem wird das Album gefallen.
LABEL: Audiolith
VERTRIEB: Indigo
VÖ: 26.10.2007

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