Die Türen

Popo

Text: Stephan Loichinger

Diese Platte kommt aus unserer Lebensmitte, und das bitte nicht, weil sie »Popo« heißt. Es gibt uns einen Namen für die Mädchen, die jeder kennt, die dauernd süß lächeln und dann doch beim Anruf eines anderen lieber weggehen. »Sudoku Mädchen« ist nur der knappste von vielen schönen Slogans, mit denen Die Türen uns diesen beginnenden Winter versüßen. »Du kommst aus deinem Kästchen nicht raus, ich werd aus deinen Zahlen nicht schlau«, singen sie über einem blitzsauberen Rockstampfer mit Saxophonsolo nach dem Break. Gute Güte!

    Vielleicht hast auch du schon mal gedacht: »Allein von Arbeit kann man nicht leben«. Freilich sind Die Türen Dialektiker genug, im nächsten Song »Im Norden ist der Süden am schönsten« nachzuschieben: »Nur wer Arbeit hat, kann in den Urlaub fahren.« Die Berliner Band fetzt vollspurig, mit Witz und Vollgas durch dieses Land und die Lebenswelt junger oder noch nicht ganz Erwachsener. Arbeit, Beziehung, Musikleidenschaft, Club, zu all dem haben Die Türen Abfahrten auf ihrem dritten Album gebaut. Getankt wird selbstredend ein Gemisch aus Integrität und Ironie auf der Basis von Querverweisen und Metaebenen.

    Derart unterwegs räumen sie auch musikalisch auf voller Breite ab. In »Tanz den Tanz« zitieren sie Roxy Music. »Sei schlau, bleib dumm« schlägt in seiner vermeintlichen Süße die Brücke zu »0.30, gleiches Ambiente« der Goldenen Zitronen und zertrümmert mit nüchterner Stimme und sägender Gitarre die hohle Welt der Clubs, wie es eine Bassdrum niemals könnte. Und sonst? Instant-Hits wie »Eier« und »Indie Stadt«, Rock, Soul, Schlager, Blues, Italo-Pop, Post-Punk. Also fast alles, das tanzbar ist. Diese Musik schreit danach, vor Publikum dargeboten zu werden. Sie lässt dich, uns niederknien, weil sie etwas in uns berührt, Ich und Es zusammenzuführen versucht. Wie unmittelbar und komplex dieses Album wirkt, erfasst sich gleich und vielleicht niemals. Nur so kann eine perfekte Platte sein.

LABEL: Staatsakt

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 16.11.2007

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