Lambchop

No Such Silence - Live At The AB In Brussels

Text: Kai Ginkel

»No Such Silence« ist weder »Some Kind Of Monster« noch »Elvis - The Last 24 Hours«: Wenn diese DVD nämlich eines widerspiegelt, dann eine geradezu lähmende Normalität. Eine Schlüsselszene von Konzertfilm samt Dokumentation ist etwa Kurt Wagners Rückkehr nach Nashville: Da sitzt er angespannten Blickes hinter dem Lenkrad und betont mit nervöser, fast brodelnder Miene, dass sich in seiner Heimatstadt so viel verändert habe und dass es trotzdem gut sei, wieder zu Hause zu sein. Es ist offensichtlich: Wagner ist ein eigenartig alter, kauziger Mann. Doch er muss noch nicht mal singen, um in seiner Stimme dieses anschmiegsame Charisma zu verströmen, das Banalitäten in etwas verwandelt, das man gern und begeistert hören möchte.

    Auf der Bühne verhält sich Wagner wie ein gewiefter Kabarettist, der sich keine Gedanken machen muss um eine sorgsame Trennung zwischen Person und Rolle: Sowohl die inbrünstigen als auch die sentimentalen Momente seiner Musik enthalten im Vortrag etwas distanziert Überspitztes, das an die Schauspielerei erinnert und es ungemein erleichtert, sich in seine (leider nicht mehr ganz so) schrulligen Lieder einzufühlen. Obgleich die Dokumentation bemüht ist, auch jene verdienstvollen Charaktere ins Rampenlicht zu rücken, die Wagners Visionen nicht nur ausführen, sondern um zahllose lebhafte Elemente bereichern, bleibt der Spot auf dem Mann mit der Mütze.

    Dass sich Lambchop für das Konzert, das für diese DVD aufgezeichnet wurde, vorrangig auf ihr letztjähriges Album »Damaged« konzentrierten, ist überaus günstig: Zu nichtssagend und unfokussiert schließlich war im Großen und Ganzen das, was dem behutsamen »Is A Woman« (2002) folgen sollte: Lambchop hatten sich, so schien es, selbst überlebt. Ob man »Damaged« nun als ein feines Comeback oder einen besonders gelungenen Schwanengesang betrachten möchte, spielt kaum eine Rolle, denn gerade live ist es eine Freude, sich in der leisen Opulenz zu sonnen, die von Humor nicht etwa gebrochen, sondern getragen wird. Was vorliegt, ist also Dokumentation und Zelebration einer endlich wieder erfreulichen Episode in der langen Lambchop-Geschichte. Löblich zudem, dass das Risiko eingegangen wurde, sich so sehr auf dieses neue, vom Test der Zeit noch unerprobte Material zu verlassen.

LABEL: City Slang

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 23.11.2007

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