Pole

Steingarten Remixes

Text: Stephan Loichinger

Das Cover von Poles »Steingarten«, Schloss Neuschwanstein in Technicolor, visualisiert ganz schön die dahinter gespeicherte, der Erde in Erhabenheit leicht entrückte Musik. Das Cover des Remix-Albums zerlegt das Motiv und bringt die Teile dem Betrachter näher. Auch das lässt sich analog zu den bearbeiteten Stücken sehen: Die zehn Remixer haben den im Original stets etwas kühlen Kompositionen einen wärmeren Klang verpasst, Stefan Betkes Sound-Skelette tragen jetzt Fleisch. Pole dockt nun nicht mehr nur im Kopf an, sondern geht auch in die Hüften.

    Frivolous zum Beispiel kehrt für seine Version von »Achterbahn« eine angenehm knarzende Basslinie hervor, die hin und wieder abtaucht, um danach unbeirrt weiter zu drängeln. Ghislain Poirier wirbelt Claps, Beats und das Geräusch mechanischer Schreibmaschinen herrlich nervös durcheinander, während Peverelist dasselbe Stück – »Winkelstreben« – im Gegenteil runterschraubt und mit einem ganz tiefen Bass noch dubbiger hallen lässt. Gudrun Gut erdet das ursprünglich sehr sphärige »Mädchen« mit einem Bass und widmet jedem Buchstaben des Alphabets einen Mädchennamen. Wenn das nicht auf der After-Hour läuft, dann bestimmt auf der Mix-CD für eine gute Freundin. Das »Pferd« trabt mit The Mole im Sattel munter im Viervierteltakt zur Disco, Mike Huckaby verlegt »Düsseldorf« nicht allein mit dem Titel seines Remixes für sieben Minuten nach Detroit. Für Deadbeats Mörder-Mix von »Sylvenstein« braucht ein Club-DJ schon mehr Mut – und ein zappeliges Publikum.

    Die damit Betrauten haben also nach alter Remixer Sitte die Originalstücke tanzbar oder tanzbarer gemacht. Und deren sperrige Eleganz trotz der Addition von Beats und der Reduktion des für Pole typischen Schabens und Schleifens bewahrt. So äußert sich Respekt, so klingt Weiterentwicklung.

LABEL: ~scape

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 09.11.2007

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