Dirty Projectors

Rise Above

Text: Gunnar Klack

Als wenn diese Band nicht schon seltsam genug wäre! Dreistimmiger Kehlkopfgesang, Querflöten, Elektronikpiepsen und polyrhythmische Instrumentalstücke sind David Longstreth anscheinend nicht ungewöhnlich genug. Der Musiker aus – man ahnte es – Brooklyn, New York hat mit seiner Band Dirty Projectors sicher eines der merkwürdigsten Konzeptalben der Musikgeschichte aufgenommen.

    »Rise Above« ist seine Version des 1981 erschienen Albums »Damaged« von Black Flag, einem Meilenstein des Hardcore-Punk. Punk-Cover mit Querflöten, das sieht zwar auf den ersten Blick nach dem nächsten, langsam ermüdenden Schritt im Reigen der Nouvelle Vagues und José González’ dieser Welt aus, aber mitnichten findet sich auch nur eine Coverversion auf dem Album der Dirty Projectors. Wie ist das möglich?

    Die Frage der Neuinterpretation wurde hier an ein ganzes Album in seiner vollen Länge gestellt, nicht an einzelne Songs. Es ging David Longstreth darum, das aufzunehmen, was er in seiner Erinnerung als Album behalten hat, ungeachtet der Tatsache, wie die Black-Flag-Lieder nun wirklich waren. Dazu verzichteten die Dirty Projectors darauf, »Damaged« noch einmal anzuhören, und verließen sich stattdessen ganz auf Longstreth’ Gedächtnis. Nicht dass dieses besonders genau wäre: Fünf Songs von Black Flag hat er vergessen (darunter die Titeltracks »Damaged I« und »Damaged II«), Texte sind streckenweise abhanden gekommen, und Melodie gibt es jetzt natürlich viel mehr als mit Henry Rollins! Immerhin wurde diese Platte von dem Grizzly-Bear-Mitglied Chris Taylor produziert.

    »Rise Above« nimmt seinen Titel wörtlich, es schwebt in seiner Kunstfertigkeit beinahe berührungslos über dem »Original«. Die Dirty Projectors legen ähnlich viel Konzeptkunst an den Tag wie die Experimentalelektroniker Matmos, nur ist das Ergebnis mit seinen niedlichen Spieluhrmelodien ein ganz anderes. Der theatralische Gesang, der sich in verschiedensten Tempi und Tonarten mit dem unregelmäßigen Hintergrund klassischer und elektronischer Instrumente kreuzt, ist für sich alleine genommen schon sehr hörenswert. Anders als viele andere Musiker hat sich David Longstreth dazu entschieden, die Musik einer vorherigen Generation nicht durch den Stil, sondern durch den konzeptuellen Bezug wiederzuerwecken. So sind die Dirty Projectors trotz der proklamierten Coverversionen viel freier und origineller als diverse andere Projekte aus New-Weird-America.

LABEL: Rough Trade Records / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 02.11.2007

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