Silversun Pickups
Carnavas
Text: Gunnar Klack
Die silberne Sonne im Namen dieser Band weist nicht etwa auf ein meteorologisches Phänomen hin, sondern auf eine Straßenecke in Los Angeles: Silver Lake Boulevard, Ecke Sunset. Hier, direkt hinter Hollywood, liegt der Stadtteil Silver Lake, dem Williamsburg der amerikanischen Westküste. Das stark multiethnische Silver Lake hat eine Musikszene, der nicht nur Rilo Kiley und Elliott Smith entsprungen sind, sondern mit der auch Tom Waits, Beck und Pavement verbunden sind. Offenbar gedeihen auf dem Nährboden der fordistischen Metropole nicht nur breitbeiniger Stadionrock und Gangsterrap, sondern auch feinfühliger Folk und obskurer Indiepop, wobei die Silversun Pickups eindeutig letzterem zuzuordnen sind.
Die Band um Sänger und Gitarrist Brian Aubert ist durch häufiges Wechseln der Musiker in verschiedenen Bands der Szene in Silver Lake entstanden, ein wahres Kind der Silver Lake Musikszene also. Nur kann man nicht gerade behaupten, dass die Musik von Silversun Pickups so emblematisch für ihren Ursprungsort steht, wie Antifolk oder Neopostpunk für Williamsburg, Brooklyn. Vorbilder für den verträumten und gleichzeitig rauen Sound der Silversun Pickups findet man doch hauptsächlich in den regnerischen und windigen Gefilden von Chicago, Glasgow oder Seattle. Erinnerungen an Smashing Pumpkins, The Jesus And Mary Chain oder Dinosaur Junior werden wach, wenn Brian Aubert und Keybarder Joe Lester mit den Störgeräuschen ihrer Instrumente Rhythmus und Melodie zu einer homogenen Masse verkitten.
Mit diesem zugegeben zähen Zeug haben Silversun Pickups ihr Debutalbum »Carnavas« nun nicht komplett abgedichtet, sondern eher gleichmäßig und geschmackvoll bestrichen. Überall kann man darunter noch ein bisschen Pavement oder Grandaddy heraushören. Das ist nicht nur ein Verdienst des guten Songwritings, sondern auch das der guten Abmischung: Tony Hoffer, bekannt für den ausgewogenen Klang von Belle & Sebastian, Beck und Phoenix steht gleichberechtigt neben dem Produzenten Tom Biller. »Carnavas« merkt man zu jedem Zeitpunkt an, dass hier eine talentierte Band eine gute Platte gemacht hat. Allerdings bleibt es auch genau dabei, denn musikalische oder textliche Extreme, die berühren, mitreißen oder verstören, gibt es keine. Hier freut sich das Ohr länger als das Herz.
LABEL: Warner Music
VERTRIEB: Warner Music
VÖ: 26.10.2007

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