Diverse
DJ-Kicks: Booka Shade
Text: Matthias Schönebäumer
Booka Shade sind keine DJs. Darauf können sich Arno Kammermeier und Walter Merziger einigen. Das Berliner Produzenten-Duo gehört spätestens seit ihren zahlreichen Remixes (u.a. für Depeche Mode, Roxy Music und Moby) und ihrem eigenen Album »Movements« (2006) zu den großen Namen im Bereich elektronischer Tanzmusik. Als Begründer des Get Physical-Labels sind sie zudem verantwortlich für eine der musikalisch vielseitigsten Plattenfirmen Deutschlands.
Mit Plattenauflegen als Handwerk hatten beide Musiker jedoch bisher eher nur sporadisch zu tun, auch wenn sie dafür die passenden Tools liefern. Nun waren die »DJ-Kicks« noch nie eine Plattform für puristischen Turntablism, sondern immer auch eine Möglichkeit für Experimente und außergewöhnliche Stilbrüche. Zwar hat das Label !K7 mit Ausgaben von Carl Craig, Stacey Pullen oder Henrik Schwarz stilbildende DJ-Kunst veröffentlicht, allerdings stehen diesen Werken mindestens eine Handvoll Releases gegenüber, deren Protagonisten sich nicht als DJs definieren würden.
Stattdessen geht es auch auf dieser Ausgabe weniger um die verortbaren Fingerfertigkeiten, als vielmehr um Spannungsbögen und eine überraschende Trackauswahl. Die künstlerischen Leiter dieser überaus geschmackvollen Abfahrt und ihr musikalisches Konzept wird in jeder Minute des Mixes spürbar. Hier präsentiert sich zeitgenössische Tanzmusik in ihrer wunderschönsten Breite: von dem souligen Elektro-Pop der Passengers über düstere House-Tracks (John Carpenter, Quarion), der minimale Techno eines Matthew Dear bis hin zu melancholischem Post-Disco der hedonistischen Sorte – Booka Shade bespielen ein weites Feld und das gelingt ihnen hervorragend.
Denn was diese »DJ-Kicks« so frisch klingen lässt, ist seine unangestrengte Haltung zum Material. Selbst Schwieriges von Aphex Twin und poppige Nummern wie »It´s Too Late« von The Streets integriert das Duo in den Mix, ohne sich dramaturgisch zu verzetteln. Booka Shade verlassen sich eben nicht auf die rein rhythmische Deckungsgleichheit der Tracks, sondern sorgen mit dem Übereinanderkreuzen von diversen Spuren eine Dichte, die sich vor allem über die Harmonie der einzelnen Tracks artikuliert. Songstrukturen bleiben somit hörbar und verleihen dem Mix einen organischen Charakter, der sich eigentlich zu ausgefuchst für den Dancefloor erweist. Natürlich knallt und scheppert es hin und wieder, aber genießen sollte man diese Exkursionen vor allem als kontinuierliche Erforschung und Zusammenführung der unterschiedlichsten musikalischen Ansätze. Booka Shade sind keine DJs. Gerade das macht diese »DJ-Kicks«-Ausgabe zu einem echten Highlight.
LABEL: !K7 Records
VERTRIEB: RTD
VÖ: 19.10.2007

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