Asobi Seksu

Asobi Seksu

Text: Wibke Wetzker

»Zu Hause habe ich einen Kater, der ist ein infames Arschloch, aber ich liebe ihn, so wie er ist.« Mit diesem Satz schließt Yuki Chikudate das nun nachträglich in Deutschland veröffentlichte Debütalbum ihrer Band Asobi Seksu. ›Asobi Seksu‹ bedeutet ›verspielter Sex‹ im Tokioter Slang und wenn man dieses Wissen mit allgemeinen Erfahrungen zu schlüssigen Mustern verstricken möchte, dann landet man in der Schlussfolgerung mit hoher Wahrscheinlichkeit bei emanzipiertem japanischen Girl-Punk, der mit mandeläugigem Stolz und mädchenhaftem Charme spielt.

    Nun sind Asobi Seksu aber New Yorker und das einzig unartige an ihnen die noisigen Gitarren in der Tradition Yo La Tengos oder Sonic Youths. Einflüsse japanischen Shibuya-kei-Pops sind nicht zu leugnen, aber letztlich atmet Asobi Seksu den Retrosound der frühen 90er Großbritanniens: Shoegaze. Überstilisiert und nostalgisch im Sinne von My Bloody Valentine, The Jesus & Mary Chain und Lush werden ausuferndes Gitarrenspektakel und schüchterne Schönheit träumerischen Pop-Songwritings auf eine Bühne gebracht. Hauptaktrice in der Rolle der ›Sentimentalen‹ ist die zierliche Sängerin Yuki, deren Stimme sich abwechselnd auf Englisch und Japanisch um Anmut bemühend die symptomatische Niedergeschlagenheit nicht verbergen kann oder will. Manchmal übernimmt Gitarrist James Hanna das Mikro, manchmal klingt das Ergebnis perfekt produziert, manchmal perfekt dahin geworfen, manchmal bin ich mir nicht sicher, ob es sich hier um den alten Freund Parodie handelt, oder ob Mutter Pastiche ihre Hand zu lange auf das Knie von Asobi Seksu gelegt hat.

    Die ästhetischen Mittel nähren die Vorstellung vom Subjekt, das ›nicht in der Welt‹ ist, Yuki mimt das verlorene Mädchen in Pastell, das so unnahbar leidet, dass man es in seinem Schmerz nicht zu berühren wagt, und auch wenn das Unglück wimmert, so ist es doch nur durch die Gitarrenwand hindurch zu hören. Lassen wir also die Band ihr Hosentaschentänzerimage pflegen, so lang sie es mit Sprüchen über infame Katzenarschlöcher wieder demontieren.

LABEL: One Little Indian

VERTRIEB: RTD

VÖ: 26.10.2007

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