Rairbirds
1
Text: Kai Ginkel
Ob es den Rairbirds tatsächlich gelingen wird, mit »1« im Alleingang die Dance-Musik zu retten, darf bezweifelt werden. Den Versuch aber ist es wert, wie ein umtriebiges Album voller charmanter Verfehlungen und liebenswerter Ambitionen beweist.
Der Ansatz, sich selbst als ›pioneers of the organic dance scene‹ darzustellen, lässt dabei zunächst sauer aufstoßen: Muss man sich denn noch immer mit einem leidigen Thema wie dem der ›echten‹ oder ›unechten‹ Instrumente befassen? Der Zug ist abgefahren (auf Nimmerwiedersehen), und die zwölfköpfige Gruppe um Arrangeur Jamie Crowe sollte sich schnurstracks einen weniger unsympathischen Slogan zur Promotion ihrer Musik überlegen.
Die nämlich klingt zu ausschweifend und glamurös, um sich hinter solchen lieb gemeinten Griesgrämigkeiten zu verschanzen: Die aufblitzenden Reminiszenzen an den Big Beat der neunziger Jahre sind zwar gewöhnungsbedürftig, im Bedarfsfall aber voll funktionstüchtig; man fühlt sich darüber hinaus an grundverschiedene Künstler wie David Bowie, Meat Beat Manifesto, die Scissor Sisters oder Two Lone Swordsmen erinnert. Mehr noch: Ein etwas sinnloses Bob Dylan-Cover stiftet hier ebenso wenig Verwirrung wie die aufgetürmten Streicher des Slowakischen Radio Sinfonie-Orchesters.
Zugegeben: »1« ist zuweilen ein überbordendes Kitschfest und kapituliert mehr als einmal ganz zwangsläufig an den eigenen großen Vorsätzen. Zum Ärgernis aber wird das niemals, und man sollte diese Musik schon gehört haben, wenn man sich vergewissern möchte, dass man auch heute noch im Pop ganz ausgezeichnet und glanzvoll scheitern kann.
LABEL: One Little Indian
VERTRIEB: RTD
VÖ: 28.09.2007

TwitThis
Facebook
Buzz
del.icio.us
Google Bookmarks
Digg
Ping.fm
FriendFeed
Yigg
MisterWong.DE
Technorati
Netvibes
MySpace
Identi.ca
StumbleUpon



