The Cinematic Orchestra

Ma Fleur Live At The Barbican

Text: Matthias Schönebäumer

Spätestens seit ihrer Vertonung des russischen Filmklassikers »Man With A Movie Camera« von Dziga Vertov gilt das Cinematic Orchestra unter ihrem musikalischen Leiter John Swinscoe als eine der wichtigsten Bands für die konzeptuelle Verbindung zwischen elektronischer Musik, Turntablism und Jazz-Improvisation. Ihr Debütalbum »Motion« aus dem Jahr 1999 gilt bis heute als Meilenstein des Downbeat-Genres, und bescherte ihnen ein Gastspiel bei der Verleihung des Lifetime Achievement Awards für Stanley Kubrick. Im Rahmen ihrer Promo-Tour zu ihrem aktuellen Album »Ma Fleur« spielte das Ensemble einige ausverkaufte Konzerte im Londoner Barbican Centre, aus denen einige Auszüge nun auf dieser EP zu hören sind.

    Eröffnet wird diese kurze, aber überaus eindrucksvolle Werkschau mit der Single »Breathe«. Über ein schlichtes Gitarrenriff singt Eska Mtungwazi ein ergreifendes Gospel, bevor das Ensemble das nüchterne Arrangement in  epische Cinemascope-Dimensionen steigert. Auch auf »Familiar Ground« bewährt sich diese Herangehensweise. Das macht diese EP leider etwas vorhersehbar, weil sich die dramaturgischen Kniffe eben immer auf dieselben Effekte verlassen. Aber auch wenn Eska Mtungwazis Stimme nicht an die ausdrucksstarke Tiefe der großen Dame Fontella Bass, die eigentlich auf dem Album zu hören ist, heranreicht, genügen auch hier nur wenige Atemzüge, um den ganz großen Soul heraufzubeschwören.

    »MWMC« und »Channel 1 Suite« sind hingegen bewährtes Material: großflächig impressionistische Orchester-Arrangements treffen auf hochgradig gekonntes Jazzgemucke, dem in einigen Momenten etwas die Schmutzigkeit abgeht. Zwar verschmilzen organische Breakbeats, Klavier und diverse Blasinstrumente zu einem geschmeidigen Klangteppich, aber wie das mit hochtrainierten Sessionmusikern halt so ist: den Funk können sie dann doch nur vom Blatt spielen. Stellenweise klingen das Cinematic Orchestra und seine vielen tollen Musiker eben doch arg nach subventionierten Kulturprogramm für After-Work Jazzer: sehr ausgeruht, aber auch sehr ungefährlich.

LABEL: Ninja Tune

VERTRIEB: RTD

VÖ: 26.10.2007

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