Diverse

Leroy OST

Text: Philipp Lembke

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus ist und bleibt ein schwieriges Unterfangen, auch und gerade unter Berücksichtung des Deutschen Kulturraumes mit all seinem kaputten Wahnsinn der jüngeren und jüngsten Geschichte. Die Geschichte von Leroy, einem schwarzen Jungen, der sich in ein Mädchen verliebt, deren fünf Brüder eindeutig der braunen Gesinnung frönen, scheint – der Film lag beim Schreiben dieser Zeilen noch nicht vor – hier eine erfrischend andere jugendnahe Herangehensweise an das Thema zu sein. Erfrischend, da der Protagonist unter anderem wohl soweit geht, aus den Nazibrüdern eine Boygroup machen zu wollen.

    Denyo von den Beginnern hatte die Aufgabe, den ensprechenden Soundtrack zum Film zusammenzustellen und hat diese, kurzum gesagt, souverän gelöst. So findet sich eine gute Auswahl des ›Wer ist wer‹ der hiesigen Hiphopszene samt Peripherie auf 19 Stücken zusammen und geht es dabei verdammt funky an. So funky, dass bei Leroy’s übergroßem Afro und dem shaftartigen Intro beinahe der Eindruck einer all zu platten Klischeebedienung entsteht. Doch spätestens wenn Eißfeldt über ein dick groovendes Beatgerüst »Ich bin ‘ne Kartoffel und ich bin cool damit« skandiert und wieder einmal kongenial der deutschen Volksseele den Spiegel vorhält und noch interessante Lösungen für die Zukunft anbietet, prallen auch die letzten Separatismusvorwürfe an diesem Projekt ab, die z.B. das Brothers Keepers Projekt begleitet haben.

    Und wenn Torch bei »Wohin (Leee-roy)« unter Mithilfe der liveDemo-Band inklusive boogalooesquem Schlagzeugbreak zeigt, was Funk und Rock gemeinsam haben, kann auch der letzte Zweifler dieses Werk entweder lieben oder hassen. Neben u.a. OleSoul, Afrob (der auch im Film agiert), Nico Suave und Indra Afia klingt vor allem Curse mit »Unglaublich« pathosbehaftet und präzise wie immer. Clueso, als einziger mit zwei Tracks vertreten, bringt die meiste Ruhe hinein und beweist zweimal mehr, dass ihm das Singen mehr liegt als das Rappen. Blumentopf rufen zum Widerstand gegen den Weg des geringsten Widerstands auf, einzig Seeed wirken aufgrund des kaum vorhandenem thematischen Bezuges etwas deplaziert. Gut gesetzt wird das Finale von Rapper Germany bestritten, der sich gekonnt mit seiner gleichnamigen Heimat auseinandersetzt.

    Fazit: Eine im Kontext des Films gelungene Verbindung von Rap, Funk und Soul, die zwar in Teilen zu glatt produziert klingt, aber durchaus eine gewisse Tiefe und Inhalt vermittelt, ohne steif und angestrengt zu klingen. Hoffentlich schafft es dieses Unterfangen wirklich einmal, nicht nur die Bekehrten zu erreichen. Der braunen Suppe dieses Landes wäre es zu wünschen.

LABEL: Four Music

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 28.09.2007

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