Ewan Pearson
Piece Work
Text: Wibke Wetzker
Erfolgsgeschichte eines Pop-Intellektuellen: die zweite Compilation (2001 erschien bereits »Small Change« mit 11 Remixen auf Soma) des studierten Philosophen und Kulturanthropologen mit Gelegenheitslehrauftrag in London kommt doppelt so fett und mit hochkarätiger Kundschaft dekoriert daher.
Seit 2002 und seit dem ›Durchbruch‹ mit der knartzigen, dennoch funky Variante des Freeform Five »Perspex Sex«-Rave ist Ewan Andrew Pearson zu cool für Madonna und deshalb für die Aufbereitung eh schon großartiger Songs zuständig. Wer von Pearson ein Dance-Makeover bekommt, wiegt sich in den sicheren Händen eines Musikverstehers, der einfühlsam für Genrebefindlichkeit und jenseits einer Techno-Hegemonie die Euphorie aus jeder amüsierwilligen Pore kitzelt, dabei selbst im größten Rausch noch das Wort ›Avantgarde‹ buchstabieren kann.
Gelten Retrospektiven im Allgemeinen schon als reichhaltig, dann ist diese Zusammenstellung so ergiebig, dass ich mir ein Beispiel herauspicken muss, um nicht in faktischer Aufzählung zu versanden. Nehmen wir den »Objects In Space«-Remix von Cortney Tidwells »Don’t Let Stars Keep Us Tangled Up«, denn dies ist eines der herausragenden Stücke, das noch nicht auf Vinyl erschienen ist. Das Original kondensiert sehnsüchtige Girl-Pop-Gedanken aus frostkalter Nachtluft und verflüssigt sich aufs schönste in optimistischer Melancholie. Mit Ewan Pearson verliert der Song seinen weltlichen Schmerz und wird aus der Muttererde gehoben. Das kommt keiner Entwurzelung gleich, sondern einer Seelenbefreiung, denn plötzlich strahlen da Sterne und der Körper reagiert dort, wo der Geist gereizt wurde.
LABEL: !K7 Records
VERTRIEB: RTD
VÖ: 21.09.2007

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