Beat Konducta

Vol. 3-4: In India

Text: Christoph Braun

 

Otis Jackson Jr. sitzt auf dem Dach eines Hochhauses, inmitten Kyotos. Er ist nicht alleine: Dem Himmel eh schon ziemlich nahe, hat er einen von diesen tragbaren Vestax-Plattenspielern dabei. Er, der eigentlich seine gesamte Zeit in seinem Studio in Oxnard, Kalifornien verbringt, hat tatsächlich einmal Muße zum Hören. Und was tastet seine Nadel ab? Sun Ra Arkestra.

    Diese Situation ist tatsächlich von Bedeutung gewesen im Leben jenes Typen, der sich ein Vergnügen mit Pseudonymen bereitet, unter denen Madlib mit Sicherheit sein am meisten verbreitetes ist. Es sei gleichzeitig seine Vorstellung von Freizeit wie jener vom Frieden, beteuerte er mir vor einigen Jahren in einem Interview. Die Vorstellung, wie Madlib auf einem Wolkenkratzer der Musik eines Sternenfahrers lauscht, hat etwas von einer Babuschka-Puppe: Denn Madlib alleine bildet längst sein eigenes Universum. Seine ganzen Jazz-Aktivitäten und "Früher hat er auch noch"-Geschichten mal beiseite, kooperiert Madlib sich zur Zeit mal wieder die Finger wund. Gemeinsam mit Talib Kweli hat er das komplett großartige Rap-Werk »Liberation« produziert, das für eine Woche im Januar umsonst runterzuladen war. Die Tantiemen kann man sich ja immer noch verdienen - mit Kwelis jüngster Universal-Veröffentlichung »Eardrum«, zu der Madlib als Beatmaker drei der herausragenden Tracks beisteuert. Unfassbar smoothe Songs in Koop mit einer mal eben Erykah Badu haut er dann noch nebenbei auf Rappcats, der Homepage seines Alien-Alter Egos Quasimoto, raus. Als free em pee three.

    Nicht zuletzt ist da noch der Beat Konducta. Offensichtlich steigert Otis Jackson, Jr. abermals seinen Output, und so kann sich auch diese Identität von Madlib lösen. Die Teile 1-2 der Beat Konducta-Serie erschienen noch unter dem Alias Madlib The Beat Konducta. Auf ihnen konzentrierte sich der Kalifornier auf Samples aus der Filmgeschichte. Nun ist Indien dran, und auch da geht es um das medial vermittelte, das stereotype, das Bollywood-Indien. Gerade das aber bildet in seiner Schrillheit ein 1A-Material für die stumpfen, mit Trägheit spielenden, unfassbar verkifften Instrumentals des Beat Konducta. Ertrinkenden gleich recken die Akkordeons, rituellen Gesänge und Filmunterhaltungen ihre Arme ein letztes Mal nach oben, bevor sie für immer im Wirbel des Beat-Mächtigen verschwinden. Es sind 34 Beats, die ich mir noch auf dem Dach der Welt reinziehen würde.

 

LABEL: Stones Throw

VERTRIEB: PIAS

VÖ: 07.09.2007

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Ein Mann der Masken:

    [...] Madvillain, Jaylib, Quasimoto, Yesterdays New Quintet, Beat Konducta … Die Namen, Projekte, Ideen und Alter Egos von Otis Jackson Jr. alias Madlib sind so [...]

     
 
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