Robag Wruhme

The Lost Archive 1998 - 2007

Text: Matthias Schönebäumer

Wer in der Gegend rund um Jena aufgewachsen ist, wird sich über den seltsamen Namen Robag Wruhme nicht weiter wundern. Das Wörtchen »Warum« wird hier eben wie Wruhme ausgesprochen. Und Gabor liest sich rückwärts Robag. Ist doch alles ganz einfach. Allen anderen sei gesagt, dass Robag Wruhme eigentlich Gabor Schablitzki heißt und elektronische Musik produziert, die in Deutschland ziemlich einzigartig ist. Bei Wruhme trifft hochtouriger Jazz aus der Häckselmaschine auf wundersame Melodieminiaturen, verkeilen sich satte Housebeats in kleinteiligen Loopmontagen.

    Seit seinem Album »Wuzzelbud KK« aus dem Jahr 2004 gilt der Produzent mit Hang zu dadaistischen Songtiteln als Superhirn der neuen technoiden Avantgardeschule. Nebenbei verwaltet er auch noch die Labels Freude am Tanzen und Musik Krause. Dass seine Kollaboration mit Helge Schneider und Rocko Schamoni auf »Katze geil« es im letzten Jahr nicht auf die »Bravo Hits« schaffte, gilt als größte Schande seit Gijon. Was tun? Als Teil der Wighnomy Brothers brutzelte Wruhme weiter und staubte nebenher sein digitales Regal ab. Was dabei herunter fiel ist nun auf dieser wahnsinnig tollen EP zu hören, deren Titel suggeriert, es handele sich um unveröffentlichtes Material. Einiges kursierte zwar bereits in Kleinstauflagen auf Vinyl, aber lassen wir das, man kann ja nicht überall sein.

    Eröffnet wird die Archivschau mit »Spekk-Drum«, einem düster groovenden Track, der von einem zerhäckselten Dream Warriors-Sample umkreist wird. Der emotionale Spannungsbogen hält sich auch auf »Bakkenvesper«, einem wunderbar komplexen Stück Musik. Über ein melancholisches Streichermotiv jagen Wruhmes jazzige Beats hin und her, bewegen sich aufeinander zu, um im nächsten Moment in die entgegengesetzte Richtung davon zu schnellen. Einzig ein frei improvisierender Kontrabass scheint den Track zu erden, bevor auch er vor unseren Ohren auseinander fällt. Inmitten der scheinbar chaotischen Dekonstruktion finden sich aber auch ungewöhnliche Momente der Ruhe: Auf »Pelagia« zieht sich eine flirrende Melodie über einen kraftvoll pumpenden Housebass, der dank prasselnder Beats immer beweglich bleibt. Nichts wirkt hier angestrengt, alles fließt mit enormer Lässigkeit auf sein Ziel zu.
    Ebenso der Remix für die Jenaer Hiphop-Formation Feindrehstar: nach nur wenigen Minuten streift Wruhme die Raps ab, um die Musik ganz in einem warmen Soul-Jazz aufgehen zu lassen. Auch die Stücke »Draw Halycon Days« und »Exklusiv« sind beste Beispiele für Robag Wruhmes Vielseitigkeit: dort die trickreiche Verspieltheit über einen fast schon epischen Deephouse-Groove, hier die minimale Puzzlearbeit, in der Loops und Samples mit chirurgischer Präzision montiert werden. Beschlossen wird dieser grandiose Hausputz mit einem Track von epischer Breite: über knapp 15 Minuten breitet Wruhme ein schillerndes Ambient-Panorama mit dem Titel »Cohpra «aus. Bleibt nur zu hoffen, dass im Hause Herr Schablitzki bald wieder Hausputz ansteht. Wruhme? – Druhme.

LABEL: Musik Krause

VERTRIEB: Kompakt

VÖ: 24.09.2007

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