Tocotronic

Imitationen

Text: Martha Linz

Gibt es zwischenzeitlich neue Erkenntnisse? Mit ihrem achten Album »Kapitulation« haben Tocotronic eine reichlich diskutierte Eigen- bzw. Umgebungsanalyse veröffentlicht, mit »Imitationen« schieben sie kurz vor der großen Tour die zweite Single an, die mit dem großen Thema der Sehnsucht und Zwiespältigkeit in Liebesdingen hantiert. Für Fans wurde dem Original die Demo-Variante des Stücks beigelegt, welche einer sich im Aufbau befindlichen Band schonmal die Tränen in die Augen treiben kann, denn bei Tocotronic werden die Demos längst nicht mehr mit dem Fisher-Price Kassettenrecorder, sondern im Hamburger Subraum mitgeschnitten. So sind einzelne Arrangements zwar etwas rougher gespielt, aber immer verständlich und sauber abgemischt. Das Schlagzeugspiel von Arne Zank klingt hier etwas dünn, aber nunja: Demo eben. Das Manko löst die natürlich ebenfalls auf der Single abgebildete finale Album-Fassung des Stücks, die allerdings auch von Lowtzows Gesang deutlich weiter in den Vordergrund rückt.

    Für die »Kinky Justice Version« breitet Justus Köhncke einen sphärisch-blubbernden Downtempo-Beat aus und verleiht dem Stück dadurch eine etwas schlafwandlerisch-träumerische Note. Die Gitarren verschwinden dabei nach ganz weit in den Hintergrund, sind mit Hall überdeckt. Lediglich die von Rick McPhail schrubbend gespielte Bridge gegen Mitte von »Imitationen« bricht so zaghaft aus dem nur lose geschnürten Korsett mäandernder Synthieflächen aus. Der »Pawel Remix« von Turner führt »Imitationen« da schon deutlicher Richtung Spannung: Ein kühler Minimal-Beat dient hier als Transportmittel für von Lowtzows Gesang; das könnte so sicherlich auch in einem Clubkontext funktionieren. Das Format spielt letzterem Anliegen auch in die Hände: Neben der CD-Variante wird »Imitationen« als 12“-Vinyl veröffentlicht. Dann aber ohne das Musikvideo, welches den Datenteil der CD darstellt.

LABEL: Vertigo

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 14.09.2007

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