Håkon Kornstad
Single Engine
Text: Matthias Schönebäumer
Über ein Mangel an herausragenden Talenten kann sich die norwegische Jazzszene nun wirklich nicht beklagen. Seit Jahren entstehen rund um das Label Jazzland höchst interessante und innovative Projekt, die auch immer wieder die Schnittstelle zwischen Modern Jazz und elektronischer Musik ausloten. Musiker wie der Pianist Bugge Wesseltoft haben sich längst vom Klischee des grübelnden Zwirbelbart-Jazzers verabschiedet und kollaborieren ohne Berührungsängste mit Künstlern anderer Genres, wie dem französischen Techno-DJ und Produzenten Laurent Garnier. Eng verbunden mit Wesseltofts ›New Conception of Jazz‹ ist auch der Tenorsaxophonist Håkon Kornstad, der mit »Single Engine« sein erstes Album als Solist veröffentlicht hat.
Kornstads Stücke sind weniger klassische Jazz-Kompositionen, als vielmehr Klangskizzen, in denen der Saxophonist die Möglichkeiten seines Instruments erforscht. Mithilfe eines selbstgebauten Synthesizers loopt Kornstad einzelne Versatzstücke, um diese als rhythmische Klangfläche für seine Live-Improvisationen zu nutzen. Das Ergebnis ist ein faszinierendes Spiel mit unterschiedlichen Klangmustern: der sanfte Opener »Standard Arrival Route« atmet den Einfluss des orchestral arrangierten Jazz eines Gil Evans, während »Turkey, Texas« mit seinen abstrakt-orientalischen Texturen an Albert Aylers Free Jazz-Improvisationen erinnern. Vor allem ist es die Verwendung der Flutonette, ein Instrument bei dem eine Flöte mit dem Mundstück der Klarinette gespielt wird, die dem Album einen mitunter gespenstischen Sound verleiht. Bei einigen Stücken wird Kornstad von Kollegen wie dem Gitarristen Knut Reiersrud und dem oben genannten Bugge Wesseltoft unterstützt, aber es sind vor allem seine Solo-Improvisationen, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Herausragend ist dabei vor allem das geheimnisvolle »Ardal One Alpha« mit seinen flirrenden Drone-Sounds aus elektronischen Geräuschen und Querflötenmelodien. Am Ende kehrt Kornstad zum Ausgangspunkt seiner sonischen Reise zurück. Eine wunderschöne und ernsthafte Interpretation des Hits »Crying In the Rain« von a-ha beschließt die Platte. Diese Norweger halten eben zusammen.
LABEL: Jazzland Records
VERTRIEB: Universal Music
VÖ: 03.07.2007

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