Menomena

Friend And Foe

Text: Andreas Hartmann

Jubilierender Pop, fein gedrechselt, perfekt zusammengeschraubt, fürwahr, das alles gibt es bei Menomena bis zur Erschöpfung. Allein: All diese Präzisionsarbeit, dieses grazile und mit frisch manikürten Händen vorgenommene Verweben von Pianotupfern, Baritonsax und tausenderlei Songstrukturdetails, das alles stirbt irgendwann in Schönheit. Wo man permanent überrascht werden soll, überrascht einen einfach gar nichts mehr, der Wille zur Daueroriginalität führt dazu, dass man irgendwann so endet wie Quentin Tarantino. Menomena lassen Kunstwerker wie Arcade Fire dann auch aussehen wie Metzgergesellen.

    Genau das scheint auch ihre Absicht zu sein. Ihre Musik klingt nach Wettbewerb: noch mehr gelungene Einfälle pro Sekunde, noch abgefahrenere Ideen, um jede übrig gebliebene Lücke damit zuzukleistern. Jetzt haben wir also den Salat: Artrock ist wieder da, dieses Mal nicht als gestelztes Bach-Fugen-Nachgeeifere, sondern als Schnuckel-Indie, der von Typen fabriziert wird, die so aussehen, wie so typische Campus-Indietypen aus Portland halt so aussehen. Menomena verfertigen eine Art von Postpop, der, wie heißt es bei derartigen Machenschaften immer so schön: »die Strukturen aufbrechen möchte«.

    Natürlich kann man die Idee, Indie zu retten, indem man ihn verkomplexiziert, ihm aber seinen Feel-Good-Faktor belässt und sich nicht an Jazz oder so einem Mumpitz abarbeitet wie der anämische Postrock, absolut nachvollziehen. Trotzdem ist diese Musik todlangweilig. Auf dem Konzert der Band vor kurzem in Berlin wirkte der Bühnen-Freak-out so routiniert wie ein Auftritt der deutschen Mannschaft unter Erich Ribbeck, nach dem siebenunddreißigsten durchdachten Break fiel man matt in sich zusammen. Das Trio stellt sich andauernd unter Kunsthochschulverdacht, ihr Studium im Collagen-Basteln hat jedes seiner Mitglieder mit der Höchstnote abgeschlossen.

    Gratulation im Nachhinein. Menomena ist was für diejenigen, die immer noch nach dem ›Abgefahrenen‹ im Indie fahnden, seit davon dank Bands wie den Flaming Lips oder Mercury Rev gerne die Rede ist. Doch wenn man Animal Collective haben kann, die einen mit ihrer fanatischen Wildheit wirklich überfahren, was soll man dann mit dieser nur scheinkomplexen Band, die jeden XTCVerweis verwaltet wie ein baden-württembergischer Buchhalter?

LABEL: City Slang

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 07.09.2007

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