Handsome Furs

Plague Park

Text: Christian Rief

Montreal. Immer wieder Montreal. Was vor gut zehn Jahren mit den atemberaubenden Godspeed You! Black Emperor begann, ist spätestens seit Arcade Fire und ihrem langen Marsch durch die Feuilletons jedem Freund musikalischer Großprojekte bekannt: In Montreal wird in anderen, größeren Dimensionen gedacht und musiziert und gerne noch mal eine Spur, ein Streichorchester, eine Kirchenorgel oder alles zusammen über den eh schon opulenten Song gelegt. Und nun das: Montreal minimal music, introvertierter, fast trashig produzierter Indie-Pop mit reichlich verzerrter Gitarre, ein bisschen Keyboards, ein paar Old-School-Elektronikschnipseln und Drum Machine. Dabei sollte man dem reduzierten Equipment zum Trotz nicht unbedingt an Meister des Minimalsounds wie Young Marble Giants oder The Magnetic Fields denken.
Dan Boeckner, Sänger und Gitarrist der Wolf Parade, und seine Partnerin Alexei Perry versuchen auf ihrem Debütalbum alles, um ihre Musik nicht spartanisch klingen zu lassen. Hauptverantwortlich dafür ist die offensichtliche Lust, aus ihrer frisch erworbenen Rhythmusmaschine herauszuholen, was nur geht. Auf »Plague Park« scheint die Drum Machine oft ein musikalisches Eigenleben zu entwickeln, das sich mit aller Macht den melancholischen Songs entgegenstellen will und sein Recht auf beinahe solistische Ausflüge einfordert. Diese teils fast unkontrolliert erscheinenden Rhythmusausbrüche erzeugen vordergründig den Eindruck eines radikalen Werks, sind aber letztlich selten mehr als eine geschickte Verzerrung des wenig beeindruckenden Songmaterials, das hinter der Qualität der Wolf Parade zurückbleibt. Bauhaus oder die neuseeländischen Brüder Graeme und Peter Jefferies mögen da als optimistischster Vergleich dienen. Viel zu selten, wenn Boeckner sich einmal von seiner inneren Klagemauer abwendet, schafft es die Musik, sich über die Larmoyanz zu erheben: Im aller Verkrampfungen entledigten, rhythmisch und atmosphärisch mitreißenden »Dead + Rural« oder in »What We Had«, wo die Furs zeigen, was möglich wäre, wenn sie sich öfters trauten, minimales Equipment auch so klingen zu lassen.

LABEL: Sub Pop

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 25.05.2007

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