Mit einer Natürlichkeit zweiter Ordnung

Animal Collective

Text: Jens Balzer

Mit dem Animal Collective kann man sich noch einmal daran erinnern, worum es beim ›Weird Folk‹ eigentlich ging: nicht um ein Zurück zur kunstlos geschrubbten Sperrholzgitarre, zu wallenden Gewändern und langen Haaren, sondern um eine neue Reflexion auf die Popmusik und ihre Produktionsbedingungen. Mit ironischem, sich selbst unablässig beobachtendem Primitivismus realisieren Deakin, Avey Tare, Panda Bear und Geologist den alten Gedanken der unbedingten Gleichberechtigung miteinander musizierender Menschen – im Zusammenspiel gleichberechtigter Tiere.

Animal Collective

Das Animal Collective in ganzer Pracht – mit ihnen kann man sich noch einmal daran erinnern, worum es beim ›Weird Folk‹ eigentlich ging.

(Foto: © Frank Schumacher / SPEX)

Seit wenigen Tagen erst sind die Wissenschaftler zurück in der besiedelten Welt; langsam gewöhnen sie sich wieder daran, in Betten zu schlafen, von Tellern zu essen und ihre sexuellen Bedürfnisse zu regulieren. Einen endlosen, dunklen, eiskalten Winter und zwei mückenverseuchte Sumpfsommer haben sie droben, hoch in den Bergen verbracht, auf der Pirsch nach seltenen Einsiedlertieren mit Pelzen, auf der Suche nach den verschwindenden Spuren und Zeichen alter Einsiedlerkulturen. In klaren Winternächten haben sie die funkelnden Sterne vermessen und auf das Summen des Äthers gehorcht; in unbekannten Sprachen und Notenschlüsseln sandte er ihnen die schönsten, verwirrendsten Songs. In einem Erdloch, kurz unter dem höchsten Gipfel, haben sie eine alte Frau getroffen – ohne Zähne, doch mit der Gabe des mehrstimmigen Gesangs. Sie hat ihnen vorgesummt und -gesungen, womit ihre Ahnen und die Ahnen der Ahnen die bösen Naturgeister bezwangen: Zauberlieder von unerhörter Süsse und Schroffheit und einer beunruhigenden Weite.

    Diese Lieder gehen den Wissenschaftlern nicht mehr aus dem Kopf; was sie gehört und gesehen haben, entfernt sie vom Rest der Menschen für alle Zeit. So klammern sie sich aneinander und kümmern sich um einander; eine verschworene Gemeinschaft aus klugen, verwirrten, haarigen Männern, die einander festhalten und sich die buschigen Bärte kämmen und sich, wenn sie gedankenverloren miteinander Gruppensex pflegen, nach den matschigen, sumpfigen Nadelholzwäldern der fernen Berge sehnen, aus denen sie kamen.

Animal Collective Avey Tare

AC-Gründungsmitglied David Portner alias Avey Tare, verheiratet mit der früheren Múm-Sängerin Kristín Anna Valtýsdóttir.

(Foto: © Frank Schumacher / SPEX)

    »Strawberry Jam« heißt das neue Album vom Animal Collective, dieser verschworenen, verschrobenen Wissenschaftlergemeinde aus Baltimore County, Maryland; und es finden sich darauf die sonderbarsten, süssesten und herbsten Naturgesänge: Lieder von Landschaften und Tieren, von uralten Geheimnissen und Totems. Seit sieben Jahren forschen und musizieren die Mitglieder des Kollektivs miteinander. In ihren Konzerten versetzen sie sich nach wissenschaftlich streng kontrollierten Methoden in eine ritualistische Trance; so nehmen sie Kontakt zu den Ahnen auf, zur Welt der Tiere und Pflanzen und zum ewigen Summen der Funkwellen. Frühere Tondokumente der Band, zuletzt das grandiose »Feels« aus dem Jahr 2005, widmen sich ganz der ›Kosmischen Musik‹, dem Sirren und Surren des Sternenzelts; dem Schnaufen und Brummen der Tiere, die sich unter der Weite des Himmels ducken; dem Schmatzen und Schnaufen der Pilze und Flechten, die sich langsam an den jahrhundertealten versteinerten Bäumen hochwinden, unter denen das Kollektiv seine Lieder darbietet.

    Auf »Strawberry Jam« ist die Kosmische Musik vermenschlicht. Es ist ein Werk des Gesangs geworden, eine Sammlung von Chorstücken, von denen kaum eines länger dauert als fünf Minuten. Doch stellt sich niemals ein Gefühl der Knappheit ein: dazu wirken die Werke zu fragmentarisch, zu ausschnitthaft, wie ein kurzes Blinzeln in eine unfassbare Welt. Von fern wehen geschlagene und gesungene Rhythmen heran, schaukeln sich auf und sinken herab, verdichten sich eine Weile lang zur Struktur eines Songs, um dann wieder auseinanderzudriften: ätherische Zaubergesänge, in der Ferne verschwimmende Harmonien. Zu Trancegesängen zwitschern Vögel und zirpen Zikaden; ein Kurzwellenempfänger pfeift und fiept, ein Radioteleskop horcht in die tiefsten Tiefen des Alls. Irgendetwas murmelt immer im Hintergrund dieser seltsamen, voodoo-kehlig entrückten Gesänge: eine Naturgeschichte, die nicht schweigen will – auch angesichts der größten Anstrengung nicht, das Schnaufen der Bären, Zirpen der Zikaden und Summen der zahnlosen Witwe im Erdloch in menschengemachte Kunst zu verwandeln.

Animal Collective Geologist

Brian Weitz alias Geologist. Der Name leitet sich von der Grubenlampe ab, die er während den AC-Konzerten auf der Stirn zu tragen pflegt.

(Foto: © Frank Schumacher / SPEX)

    Animal Collective sind ohne Zweifel eines der wichtigsten, stilistisch wirkungsvollsten Ensembles der vergangenen Jahre – erstaunlich nicht nur wegen ihrer scheinbar paradoxen Verbindung aus Science Fiction und Hippietum, aus archaischer Naturbeschwörung und fortgeschrittenstem Einsatz elektronischer Mittel zur Musikerzeugung. Sie sind exemplarisch und prägend für jene Musik, die eine Weile als ›Weird Folk‹ kursierte: ›weird‹, weil sie sich in ironisch übertriebener Weise der Feier des Abseitigen, Unzivilisierten widmet; ›folk‹, weil sie – gegen die schlicht abgezirkelten Spielweisen des gängigen Indierock – wieder nach elementaren Formen des musikalischen Miteinanders sucht: Senden, Empfangen, Improvisieren. Die Tierverkleidungen der Musiker, ihre Selbstinszenierung als ›mad scientists‹, der ironische, sich selbst unablässig beobachtende Primitivismus: all das sind Metaphern für die Suche nach einer Natürlichkeit zweiter Ordnung; eine Inszenierung des musikalischen Forschens, die sich nicht mit einfachen, standardisierten Schemata zufrieden gibt, sondern nach Anderem sucht: nach einer ›älteren‹, ›organischen‹ Kunst.

    Eine Weile lang ist der ›Weird Folk‹ in aller Munde gewesen. Inzwischen hat der Hype seinen Höhepunkt überschritten, längst ist die Krone der wagemutigen Bands von der second wave der Lagerfeuer- und Latte-Macchiato-Folkmusiker überspült worden, von den CocoRosies dieser Welt. Mit dem Animal Collective kann man sich noch einmal daran erinnern, worum es beim ›Weird Folk‹ eigentlich ging. Nicht um das Zurück zur kunstlos geschrubbten Sperrholzgitarre, zu wallenden Gewändern und langen Haaren; nicht um die Lizenz zur säuselnden Schlichtheit, um das Vergessen von bereits einmal Gelerntem oder eine neue Naivität. Sondern: um eine neue Reflexion auf die Popmusik und ihre Produktionsbedingungen, um ein Zurück zum Gestus (und zur Pose) des Experimentierens – zurück zur hippiehaften ›Passivität‹; zum SichÖffnen, Empfangen, zur Selbstüberschreitung, zum Freakout, zum endlosen renitenten Improvisieren.

    Vor allem ging es dabei also um eines: um einen neuen Gebrauch der musikalischen Zeit. Das verbindet das Animal Collective mit improvisierenden Freunden wie Gang Gang Dance oder Sunburned Hand of the Man, aber auch mit ritualistischen Noise-Duos wie Lightning Bolt oder Om: Der schönste und klügste Pop der vergangenen Jahre stammt von Musikern, die wissen, wie man sich Zeit lässt. Wer so lange in der Wildnis gewesen ist; wer so lange nach dem Rhythmus der Sonne und des Monds gelebt hat wie die Leute vom Animal Collective, der lässt sich auf die naturentfremdete Hektik der Kulturindustrie nicht mehr ein.

Animal Collective Deakin

Josh Dibb alias Deakin. Schrieb seinen Bandkollegen Briefe unter dem Pseudonym Conrad Deacon – von da an hatte er seinen Spitznamen weg.

(Foto: © Frank Schumacher / SPEX)

    Animal Collective treten in wechselnden Besetzungen auf, zuletzt spielten sie zumeist zu viert. Auch die neue Platte haben sie im Quartett aufgenommen: Panda Bear und Avey Tare haben die Melodien und die Texte geschrieben; die fertigen Kompositionen entstanden dann in zwei langen Sessions mit den beiden anderen Mitgliedern des Kollektivs, die sich Geologist und Deakin nennen. Geologist ist der Chef-Elektroniker der Gruppe. Bei den Konzerten steht er meist in der Mitte der Bühne und dreht so lange an einem Mischpult herum, bis er die richtigen Ätherwellen und Sternengeräusche empfängt; vor die Stirn schnallt er sich gern eine Grubenlampe. Deakin spielt die erste Gitarre: ein langhaariger Schlaks mit einem sehr großen Adamsapfel und einer sehr holzigen Holzkette, der meist hüpfend im Kreis musiziert; der zweite Gitarrist Avey Tare singt zu seinem Spiel zugleich in den verschiedensten Tonlagen und Zungen, jubiliert und klagt und murmelt verworren melodisch in sich hinein, um sich dann wieder plötzlich in zuckersüsse Harmonien zu erheben. Mit dem rhythmischen Wandel seines Gesangs strukturiert Avey Tare zugleich die Arrangements der Gruppe, denn das archaische Stehschlagzeug, das Panda Bear im Hintergrund hämmert, dient beim Animal Collective eher als Melodieinstrument.

    Aber eigentlich ist die Trennung zwischen Rhythmus und Melodie, führenden und begleitenden Instrumenten, zwischen musikalischem Vorder- und Hintergrund hier sowieso aufgehoben. Der alte Ornette-Coleman-Gedanke der unbedingten Gleichberechtigung miteinander musizierender Menschen ist im Zusammenspiel der gleichberechtigten Tiere voll realisiert: berückend, wie sich die Gitarren wie von selbst in einen unreinen Einklang hineinfinden, einen Rhythmus fi nden, um diesen alsdann an das Stehschlagzeug abzugeben, bis der stehende Schlagzeuger zu spielen aufhört und die letzten Takte in eine endlos druckvoll vor sich hinhallende Echokammer eingibt, aus welcher dann wiederum maschinenartig gerade voranstampfende Industrial-Rhythmen entstehen, in die sich die Gitarren feingliedrig rückkoppelnd verweben. Manchmal werden die Gitarren aber auch in die Ecke geworfen, und die vier Musiker vereinen sich zu einem vierstimmigen ACapella-Gesang, drehen zäh an den Harmonien wie ein sardischer Stahlbiegerchor, blöken wie eine schottische Schafsherde oder jubilieren himmelhochstrebend und erdverbunden wie ein paar häkeldeckenklöppelnde Landfrauen aus der Lüneburger Heide.

    Es ist tatsächlich ein Kollektiv, das hier musiziert: ein Schwarm, eine Herde – aber jedenfalls keine ›Band‹. Vielmehr ist das Animal Collective gerade der Gegenentwurf zu jenem Band-Wesen, wie es in den letzten Jahren grassierte: »Let’s start a band«, wie Art Brut sangen, eine dieser neuen, kaum noch zu zählenden britischen Hype-Gruppen, die vom New Musical Express und anderen Fachorganen im Wochenrhythmus erfunden, hochgeschrieben und um die Welt gejagt werden: wie auch Franz Ferdinand, die Arctic Monkeys, die Kaiser Chiefs, Bloc Party usw. usf. »Let’s start a band«, das hieß: Einer nimmt die Gitarre, einer den Bass, ein dritter setzt sich ans Schlagzeug, dann geht es los. Schnell die Rollen fixieren, ein paar Songs schreiben, sich einen historischen Referenzpunkt aussuchen – und dann so schnell wie möglich zum Höhepunkt kommen. Zur Logik der ökonomischen Verwertung passt diese Erotik perfekt: Die Musikindustrie lässt einem so wenig Zeit, um zum Erfolg zu kommen und ihn zu genießen, darum muss man so schnell und so hart an sich arbeiten wie möglich. In dieser Beziehung trennt die gemeine Indierock-Band nichts von den Hard Working Men und Hard Working Girls, die man aus den Casting Shows kennt.

    Dagegen setzen Animal Collective und ihre Freunde eine Musik der langsamen Neugier auf sich und andere; Musik, der es um ›Natur‹ als Weichheit, Passivität und lustvolles Nichtfertig-werden geht. Wenn es eine Lehre gibt, die der ›Weird Folk‹ uns hinterlässt, dann ist es vielleicht diese: dass der Riss zwischen reflektiertem und blindem Pop heute nicht mehr zwischen Under- und Overground verläuft (wenn er das jemals getan haben sollte). Er verläuft zwischen verschiedenen Begriffen der musikalischen Zeit: zwischen der verdichteten Zeit des Strophe-Refrain-Arrangements, wie sie im Drei-Minuten-Song ihr prägnantestes Modell besitzt – und dem endlosen Aufschub musikalischer Geschlossenheit, wie er sich im renitenten Improvisieren zeigt, aber auch in der transzendentalen Ausschnitthaftigkeit der neuen Animal-Collective-Stücke. Es geht darum, ob man zum Höhepunkt kommen will oder nicht: auf der einen Seite das hastige Rein-Raus-Fertig des Indie-Rock und seiner Pastorenposition; auf der anderen Seite das langsame, masochistische Genießen der Hippies und Freaks. Ihnen geht es nicht um die unmittelbare Nutzbarmachung einer Idee, sondern um das Unentschiedene: um das Glück, nicht ›Ja‹ oder ›Nein‹ sagen zu müssen; um die Utopie, alles zugleich haben zu können.

Animal Collective Panda Bear

Noah Lennox alias Panda Bear lebt mit Frau und Tochter in Portugal und ist das als Solokünstler bekannteste AC-Mitglied.

(Foto: © Frank Schumacher / SPEX)

    Die schönsten Metaphern für diese unmögliche Utopie kann man bei Gang Gang Dance finden – einem Verbund von Musikern, die wie das Animal Collective derzeit in New York beheimatet sind, die aber entschiedener noch als die musizierenden Tiere in der Grauzone zwischen Pop und Bildender Kunst agieren (ihr letztes Deutschland-Konzert fand auf Einladung des New Yorker Künstlers Dash Snow beim Berliner Galerien-Wochenende statt). Auch die Konzerte von Gang Gang Dance sind ritualistische Freakouts. Doch reisen sie dabei nicht in entlegene, unzivilisierte Gegenden, sondern – auf der Welle eines einzigen Beats – einmal durch die fremden Sphären der zivilisierten Welt. Auf ihrer Debüt-LP »God’s Money« verbanden sie vor einem flirrenden Rhythmusteppich Breakbeats und Bebop-Arrangements, orientalisierenden Gesang und fernöstlich-leiernde Chöre: Lizzie Bougatsos, die charismatische Sängerin der Gruppe, schüttelt sich vor ihren trommelnden Mitmusikern wie eine Tempeltänzerin, ein Derwisch, aber auch: eine Postpunk-Heroine, wie man sie aus dem amerikanisch-europäischen Stil-Lehrbuch kennt. »Retina Riddim« heißt die DVD, die Gang Gang Dance gerade veröffentlicht haben.

    Darin montieren sie ihre weltumspannendritualistischen Trance-Rhythmen zu rhythmisierten Bildfragmenten, in denen sich natürlich fließende Muster und kulturell hochcodierte Bewegungen mischen: brandende Wellen und eckiger Breakdance; wallender Nebel und Bilder eines chinesischen Feuerwerks; tanzende Mönche und feuerspuckende Schamanen. Wo das Animal Collective als Naturforscher posiert, zeigen Gang Gang Dance sich als Ethnologen; mit dem fremden Blick des Kulturwissenschaftlers schauen sie auch auf die Dinge, die ihnen am nächsten sind: zum Beispiel junge B-Boys aus der New Yorker Nachbarschaft, die ›Gang Gang‹ als ›Gang Bang‹ erklären. Immer wieder ist das Bild einer Hauswand in die visuelle Musik montiert, auf der man ein Graffiti sieht: »Tourists are terrorists«. Paläolithische Höhlenbilder verschwinden hinter Luftaufnahmen, wie man sie von Überwachungskameras kennt oder Google Maps.

    Wann immer die Band selber im Bild zu sehen ist, wird sie im Zustand der größten Ekstase gezeigt: am Ende eines Konzerts, im fortgeschrittensten Zustand des Freakouts, des Sich-verlierens in der Musik. Bloß ist von dieser Musik nichts zu hören: das ekstatische Aufbranden ist durch lange, kontemplative Drones ersetzt. Ruhe in der Bewegung. Entfernung von sich selbst im äußersten Moment der Präsenz. So ist es stets in der Musik von Gang Gang Dance: Sie wirkt archaisch und ist doch äußerst reflektiert; sie ist minimalistisch und zugleich reich. Ihr geht es nicht um den schnellen Effekt, aber auch nicht – wie etwa dem elektronischen Minimalismus – um die Ästhetisierung des Mangels. Die Verweigerung im Aufschub, die diese Musik inszeniert, sucht keinen Entzug und keine Verknappung, sondern eine Steigerung der Erkenntnis und des Glücks.

    Wie Animal Collective sind auch Gang Gang Dance keine Band, die schnell etwas erreichen will – sondern ein Kollektiv, das sich Zeit lässt. Gegen die Unterwerfung der neuen Indierock-Spießer unter das Verwertungsdiktat der Kulturindustrie setzen sie auf die alten Provokationen des Hippietums: Ich sag nicht ja, ich sag auch nicht nein; kann schon sein, oder auch nicht. Lieber erstmal die Entscheidung hinauszögern. Lieber zurück zur Überflüssigkeit, zum Tier-Werden, zum Gammeln und Wenigtun und Sich-nicht-Entscheiden-müssen. Als künstlerisch stilisiertes Genießen eines Zustands, der heute immer mehr Menschen aufgezwungen wird, ist diese Musik ein Skandal – eine Provokation, so wie Hippies und Gammler schon immer eine Provokation gewesen sind. Nur eine Kunst, die diese Paradoxie des Überflusses zur Erscheinung bringt, das Glück und die Qual des unbestimmt bleibenden Werdens, härtet gegen die simplen Imperative der Knappheit: gegen die Logik der Ökonomie, die uns sagt, dass man sich entscheiden muss, hier und sofort, und dass man sich immer schon mit weniger zufrieden zu geben hat.


»Strawberry Jam« von Animal Collective erscheint am 7. September 2007 (Domino Record Co / RTD)

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1 Kommentar:
  1. Dieser Kommentar ist ein Trackback von Spex - Magazin für Popkultur » Im Nebulösen:

    [...] so aber perfekt die Schrägheit der 2001 in Brooklyn gegründeten Gruppe (vgl. dazu auch Animal Collective in Spex #310). Nach ihrem 2008 auf Warp erschienenen Album »Saint Dymphna« kehren [...]

     
 
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