Shannon Wright
Let the Light in
Text: Ingo Scheel
Über sechs Jahre ist es mittlerweile her, da schaffte es PJ Harvey mit dem grandiosen Album »Stories from the City, Stories from the Sea«, das Beste ihrer
Welten miteinander zu verschmelzen: somnambuler Irrsinn, energetischer Rock-Gestus und fragile, süchtig machende Melodien – all das schien auf einmal zu gehen und zu passen und zog für kurze Zeit auch jene Zweifler auf ihre Seite, denen Polly Jean stets einen Tick zu unberechenbar oder, platt gesagt,
zu anstrengend schien. Die Harmonie währte denn auch nur kurz: Schon mit dem Nachfolger »Uh Huh Her« (2004) schmiss die streitbare Sängerin fast alles wieder über Bord und kappte das Seil zur Sonnenseite. Genau jenes lose Ende scheint Shannon Wright nun aufnehmen zu können: Nach einem gelungenen Teamwork mit Yann Tiersen (2005) ist »Let the Light in« bereits das fünfte Solowerk der Songwriterin aus Atlanta, Georgia, und ähnlich wie Miss Harvey einst, mag auch sie sich schwerlich entscheiden zwischen Piano-Ballade und Indierock-Ästhetik. Wozu auch – es funktioniert doch beides vorzüglich zusammen. Klavierbasierte Songs wie »Defy this Love« oder auch »You Baffle Me« sind leidenschaftliche Skizzen, gestrippt bis auf die Knochen. Bei »Don’t You Doubt Me« und insbesondere in »When the Light Goes Down« dagegen gelingt Wright das Kunststück, die moderate Seite Sonic Youths mit Aimée Mann bekannt zu machen. Wie so oft lohnt sich auch hier genaues Hinhören ganz bis zum Ende. Mit »Everybody’s Got Their Own Part to Play« kommt Shannon Wright der Aufforderung des Albumtitels selbst nach, zieht vollends den Vorhang beiseite und schenkt ihrem ebenso vielschichtigen wie runden Album so einen lichtdurchfluteten Abschluss.
LABEL: Unter Schafen Records
VERTRIEB: Alive
VÖ: 10.08.2007

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