Beach House
Beach House
Text: Christian Rief
Kennt eigentlich noch jemand Kendra Smiths »The Guild Of Temporal Adventurers« oder »Danse Macabre« von Paul Roland? Fünfzehn, zwanzig Jahre alte Platten, die dem entrückten Herumkokettieren mit Mystery – manche nennen es heute Esoterik – von Bands wie den Cocteau Twins eine neue Facette hinzuzufügen wussten.
Man hatte es plötzlich mit Musik zu tun, die nicht irdisch zu sein schien, ohne je den Anschein zu erwecken, dies aus einer künstlerischen Haltung heraus zu forcieren. Möglicherweise nichts anderes als eine konsequente Verneinung der Welt, wie wir sie kannten, und emotional einzuordnen zwischen hoffnungsloser Romantik und aristokratischer Todesverachtung.
Was Victoria Legrand, Nichte des französischen Filmkomponisten Michel Legrand, und ihr Partner Alex Scally auf ihrem ersten Album zum Klingen bringen, weckt die Erinnerung an die oben Genannten und ist nicht mehr und weiß Gott nicht weniger als 36 Minuten gespenstischer, mit allem Stoizismus dieser Welt gesegneter Sixties-Gothic-Pop, der von den ganz frühen Pink Floyd mit etwas weniger Psychedelik nicht viel weiter entfernt ist als von Bands wie Donna Regina mit deutlich weniger Hipness-Ambitionen. Die Bezüge zu Mazzy Star oder Galaxie 500 sind nicht ganz von der Hand zu weisen, ignorieren aber die mit größter Selbstsicherheit zelebrierte Monotonie und Reduktion des Duos. Für ihre neun hypersomnambulen Songs benötigen Beach House ein paar Keyboards, sparsam eingesetzte Slide-Gitarren und eine Handvoll billig klingender Bontempi-Rhythmen. Dass sie dabei ihren oft bis an die Grenzen des Stillstands verlangsamten Songs klitzekleinste Swing-, Jazz- oder Countryanklänge unterschieben, macht dieses Album zur Entdeckungsfahrt.
Die dazu im Geist entstehenden Bilder zeigen endlos herabfallende Herbstblätter, regennasse Landstraßen, auf denen seit Stunden kein Auto mehr gefahren ist, und zur Hälfte geleertes, schales Bier in abgewirtschafteten Bars. Zwischen Hass und Liebe wird’s hier nichts geben.
LABEL: Bella Union / Cooperative Music
VERTRIEB: Universal Music
VÖ: 10.08.2007

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