Diane Pernet
Sie sehen fast alle gleich aus
Text: Jan Kedves
Das Wort ›Erscheinung‹ muss für Menschen wie sie erfunden worden sein: Wenn Diane Pernet mit ihrer Fifties-Sonnenbrille, schwarzem Schleier, leuchtend rot geschminkten Lippen und bewaffnet mit Digitalkamera und High-Tech-Handy eine Modenschau besucht, erregt sie fast mehr Aufsehen als die Models auf dem Laufsteg. In den Achtzigern war sie Designerin in New York und feierte Partys mit Klaus Nomi und Keith Haring. Heute lebt sie in Paris, kultiviert einen Look zwischen Mafiawitwe und Gadget-Geek und betreibt einen der populärsten Mode-Blogs, ashadedviewonfashion.com. Via Live-Blogging-Software und Mobilfunk-Upload füttert sie rund um die Uhr Backstage-Bilder, vernichtende Kollektions-Kritiken und Szene-Gossip aus der Welt der Mode ins Netz. Pflichtlektüre für jeden Fashion-Junkie und eine unkorrumpierte Alternative zu etablierten Hochglanzmagazinen.
Nebenbei kuratiert Pernet, die in Washington, D.C. als Tochter einer Töpferin und eines Lithographen geboren wurde, Modefilm-Festivals und unterrichtet am Institut Français de la Mode. Außerdem engagiert sie sich seit einigen Monaten bei der in Paris gestarteten Online-Plattform iqons.com, einer Art MySpace für Designer, Stylisten und Modefotografen.
Zwischen einer ihrer Stippvisiten in der Design-Metropole Tokio und dem nächsten Ausflug zur Fashion Week in Indien: ein Interview mit der Ikone des Mode-Bloggings.
Mme. Pernet, seit 30 Jahren leben Sie ein Leben in der Welt der Mode. Wie unbefangen können Sie selbst noch mit so etwas wie Ihrem eigenen Look umgehen?
Ich selbst bin absolut süchtig nach meinem Look. Nicht nur, weil er so einfach ist. Die Menschen drücken mit ihrer Kleidung aus, wie sie sich fühlen – von mir aus verweisen sie damit auch auf ihre Identität. Kleidung sollte einem immer ein gutes Gefühl geben und darüber hinaus angenehm zu tragen sein. Während manche Menschen das Verlangen spüren, ihre Umwelt mit dem, was sie tragen, zu beeindrucken, ziehe ich es vor, mir selbst zu gefallen. In David Cronenbergs Film »Spider« wird ein Satz gesprochen, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist – er lautet in etwa so: »Je weniger Substanz ein Mensch hat, desto mehr Kleidung benötigt er.« In dem Film trägt der schizophrene Dennis, gespielt von Ralph Fiennes, unzählige Hemden übereinander – wie ein Schutzschild. Ich finde, das ist sehr gut beobachtet.
Obwohl die Mode ein sehr wechselhaftes Geschäft ist, haben Sie selbst an Ihrem Look seit mehr als zwei Jahrzehnten kaum etwas verändert. Sie scheinen daher regelrecht aus der Zeit gefallen. Ist das paradox?
Als ich jünger war, experimentierte ich ständig mit meinem Look und suchte nach dem richtigen Ausdruck für das, was ich für mein wahres Ich hielt. Eine Zeit lang war das unterhaltsam. Irgendwann fand ich allerdings den Look, der sich für mich passend anfühlte – und bei dem blieb ich dann. Man könnte also sagen, ich trage keine Mode mehr, sondern ich habe meinen Stil gefunden.
Wenn jeder Mensch wie Sie das Glück hätte, seinen eigenen Stil zu finden, wäre die Modeindustrie bald am Ende. Oder doch nicht?
Ein interessanter Gedanke. Allerdings kann man auch einen einmal gefundenen Stil immer wieder erneuern, verändern, neue Details integrieren. Man mag meinen Look langweilig finden, weil ich immer schwarz gekleidet bin und weil sich meine Silhouette nie ändert – das heißt aber noch lange nicht, dass ich deshalb immer dieselben Kleider trage.

Sie haben in New York selbst 13 Jahre lang als Designerin gearbeitet. Was für Kleider haben Sie damals entworfen?
Es waren hauptsächlich Kleider für Frauen, und sie waren keineswegs – wie man vielleicht annehmen könnte – alle schwarz. Ich experimentierte damals gerne mit neuen Texturen und Stoffen. Viele Leute bezeichneten meine Mode damals als ›Avantgarde‹, dabei waren meine Kleider gar nicht schwierig zu tragen. Sie waren nur vielleicht zur Hochphase von Disco etwas ungewöhnlich – sie waren recht minimalistisch und rational. Oft wurden meine Entwürfe eine Saison später dann kopiert – als der Markt für sie bereit war. Da war ich dann aber stets schon wieder ganz woanders.
New York war Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre eine viel aufregendere Stadt als heute. Es gab Clubs wie die Paradise Garage, das Xenon oder die Danceteria. Waren Sie Teil dieser Szene?
Absolut. New York war in den Achtzigern sehr aufregend, und eine Zeit lang bin ich viel ausgegangen. Ich erinnere mich daran, wie ich zum ersten Mal einen Auftritt von Klaus Nomi sah, mit Strange Party, der Band, in der auch Joey Arias als Background-Sänger dabei war. Keith Haring machte damals tolle Partys in der Paradise Garage. Außerdem ging ich häufig in den Mudd Club, in die Danceteria und zu Save The Robots. Dort traf sich meine Szene – gar nicht so sehr im Studio 54. Im Xenon, Limelight und im Bonds habe ich damals übrigens meine Modenschauen organisiert. Die Betreiber stellten mir die Clubs mietfrei zur Verfügung, den Raum, das Licht, und sie druckten Einladungen für mich. Nach der Show gab ich dann auf ihre Kosten Afterpartys. Ich war für eine Weile die Queen of Downtown.
Lebten Sie selbst in Downtown?
Ja. Meine Adresse war 17th Street and Broadway, ich wohnte genau gegenüber von Andy Warhols Factory. Ich lebte auch 13 Jahre lang auf der Ecke Bleeker Street and 11th Street im West Village. Heute ist in dem Haus eine Marc-Jacobs-Boutique.
Kannten Sie Marc Jacobs damals? Er hat zu dieser Zeit wie Sie in New York gearbeitet – und war noch lange nicht so bekannt wie heute ...
Ich habe Marc kennen gelernt, da war er noch Student an der Parsons New School for Design. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, hat er sogar mal als Ankleider bei einer meiner Shows gearbeitet. Ich habe mir damals seine erste Show angesehen, für die hatte ihm seine Großmutter viele Pullover mit lachenden Gesichtern gestrickt. Die Presse liebte Marc vom ersten Moment an.
Die frühen neunziger Jahre stellen einen Wendepunkt in Ihrem Leben dar. Sie hörten damals auf, als Designerin zu arbeiten, und gingen nach Paris. Was war passiert?
New York war Ende der achtziger Jahre ein grausamer Ort. Die Psychiatrien setzten ihre Patienten damals einfach auf die Straße, dort wurden sie dann Teil der großen New Yorker Armee der Obdachlosen. Als damals der Washington Square Park geräumt wurde, zogen die Obdachlosen und Cracksüchtigen, die dort lebten, auf die andere Seite der Straße – dorthin, wo ich wohnte. Ich habe mich nicht mehr auf die Straße getraut. Dazu kam, dass viele meiner Freunde an AIDS starben. Klaus Nomi war einer der Ersten, kurz darauf war meine gesamte Nachbarschaft krank oder tot. Ich musste New York damals einfach verlassen, weil das Leben dort für mich zunehmend belastend und nicht mehr inspirierend war. Als ich New York verließ, hatte ich keinen Plan, was ich machen würde, ich wusste nur, dass ich weg musste – was auch bedeutete, dass ich mein Geschäft aufgeben musste. Nach Paris ging ich dann, weil ich dachte, das sei der richtige Ort, falls ich in Zukunft die Absicht hätte, noch in irgendeiner
Form etwas mit Mode zu tun zu haben.
Sie haben in Frankreich zunächst als Kostümbildnerin bei Filmproduktionen gearbeitet.
Ja. Mein erster Job in Frankreich machte mich zur Kostümdesignerin am Set von Amos Gitais Film »Golem – l’esprit de l’exil«. Das Thema war naheliegenderweise recht bedrückend, aber ich hatte das Glück, Hanna Schygulla einkleiden zu dürfen. Ich empfand das als große Ehre, weil ich schon immer ein großer Fan von Rainer Werner Fassbinder gewesen war und jeden einzelnen Film kannte, in dem sie mitgespielt hatte. Hanna Schygulla spielte in diesem Film einen Geist im Wald.
Amos Gitai wollte, dass sie ihre Rolle nackt spielt. Sie war damals aber bereits um die 50 und ließ das natürlich nicht mit sich machen. Meine Aufgabe war es also, ein Kostüm für sie zu kreieren, in dem sie nackt aussah, in welchem sie aber nicht frieren durfte. Und zu dick durfte sie natürlich auch nicht aussehen. Ich schneiderte ihr also einen hautengen Latex-Ganzkörperanzug, indem ich den Körper eines Doubles mit Latex bestrich. Als sie diesen Anzug angezogen hatte, musste sie noch stundenlang darauf warten, bis der Dreh endlich losging – und natürlich musste sie in dieser Zeit auf die Toilette ... Ich hatte total vergessen, dass das ja auch möglich sein musste.

Was ließ Sie schließlich zum Modejournalismus wechseln? Waren Sie unzufrieden, wie in New York über Ihre eigenen Kollektionen berichtet worden war, und wollten es selbst besser machen?
Nein, damit hatte es nichts zu tun. Es passierte einfach. Tiffany Godoy vom Composite Magazine aus Tokio war die erste Redakteurin, die mich damals fragte, ob ich nicht etwas für sie schreiben wolle. Sie gab mir den Auftrag, einen langen, ausgiebig recherchierten Artikel über wirtschaftliche Verstrickungen in der Modeindustrie zu schreiben – also über Konzerne wie die Gucci-Gruppe und LVMH und die vielen verschiedenen Labels, die zu ihnen gehören. Zuerst dachte ich, ich könne so einen Artikel niemals schreiben, doch dann wurde daraus meine neue Karriere.
Heute schreiben Sie in erster Linie für Ihr eigenes Blog. Was reizt Sie am Internet?
Für mich macht das Internet in Bezug auf Mode genauso viel Sinn wie in Bezug auf Musik oder Pornografie: Es ist einfach das schnellste Medium, um sich zu informieren. Gedruckte Modemagazine haben sehr lange Vorlaufzeiten, es dauert manchmal Monate, bis ein Artikel oder ein Bild erscheint.
Sie haben in Paris eine Zeit lang auch für die Online-Auftritte etablierter Modemagazine wie Elle und Vogue geschrieben. Was können Sie heute mit Ihrem Blog ashadedviewonfashion.com im Vergleich zu früher bewegen?
Wenn man für Elle.com oder Vogueparis.com arbeitet, darf man nur bis zu einem bestimmten Grad neue, unbekannte Talente thematisieren. Und man muss natürlich darauf achten, dass sich die Anzeigenkunden gut behandelt fühlen. Auf meinem Blog kann ich ohne Einschränkungen darüber schreiben, was ich persönlich interessant und gut finde.
In letzter Zeit hörte man viel darüber, wie Werbeagenturen Blogs als neues Marketing-Tool entdecken und wie sie Blogger beeinflussen oder kaufen wollen, damit sie auf ihren Blogs Schleichwerbung betreiben. Wurde das bei Ihnen auch schon versucht?
Wurde es in der Tat, aber ich habe kein Interesse daran, über Dinge zu berichten, an die ich nicht glaube. Ich biete auf meinem Blog meine sehr persönliche Perspektive auf Mode – der Leser erhält sozusagen einen Blick durch meine Sonnenbrille. Natürlich suche ich nach einem Sponsor für meine Seite, aber es sollte niemand aus der Modebranche sein, sondern eher jemand aus dem Hardware-Bereich – eine Computerfirma, ein Mobilfunkanbieter, ein Kamerahersteller.
Ihr Blog bezeichnete die letzte Fendi-Show als »langweilig«, die letzte Dolce & Gabbana-Präsentation als »abgekupfert« und die Gucci-Kollektion als »seelenlos«. Haben Sie keine Angst, irgendwann von den Schauen verbannt zu werden?
Sagen wir es so: Ich bin gespannt, was passieren wird! Natürlich sind die Designhäuser über eine solche Ehrlichkeit nicht unbedingt glücklich. Und es kann im Modegeschäft tatsächlich durchaus passieren, dass man eines Tages nicht mehr eingeladen wird, wenn man keine guten Kritiken schreibt – es sei denn, man heißt Cathy Horn und schreibt für die New York Times, oder man ist Suzy Menkes vom International Herald Tribune.
Gibt es Labels oder Designer, von denen Sie grundsätzlich keine Einladungen zu Shows bekommen?
Eigentlich bin ich mittlerweile von fast von allen Designern mal zu einer ihrer Shows eingeladen worden. In letzter Zeit bekomme ich aber seltsamerweise keine mehr von Viktor & Rolf, die ich von Anfang an unterstützt habe, seit sie damals das wichtige Designfestival in Hyères gewonnen haben. John Galliano und Alexander McQueen laden mich auch nicht ein. Ich schätze, sie wissen das Internet nicht zu schätzen, obwohl es weit mehr Leser erreicht als gedruckte Magazine. Ehrlich gesagt ist mir das aber auch egal: Ich kenne einen Fotografen, der auf all die Shows geht, zu denen ich keine Einladung habe, und er versorgt meine Leser mit seinen wundervollen Backstage-Bildern.

Wie viele Klicks zählt Ihr Blog eigentlich mittlerweile?
Zurzeit klicken pro Tag etwa 3.600 Menschen meinen Blog an, also zwischen 80.000 und 90.000 Menschen im Monat. Meine Leser sind die Meinungsführer der Modeindustrie, es sind Designer, Studenten, Marketingmenschen. Designer finden über meinen Blog neue Aufträge und die Namen von Shops, in denen sie ihre Kreationen verkaufen können, Magazine finden Namen von Fotografen und Illustratoren, und so weiter.
Sie bloggen von Ihrem Handy aus. Wie hoch ist Ihre Telefonrechnung?
Unglaublich hoch! Ich bin süchtig nach Internet. Ich drehe schnell durch, wenn ich mich längere Zeit nicht einloggen kann. Letztens ist es etwa passiert, dass meine Internet-Verbindung zu Hause drei Wochen lang nicht funktionierte und ich dann immer ins Internetcafé gehen musste. Es war die Hölle. Ich brauche dringend einen Sponsor aus der Mobilfunkbranche.
Gibt es neben Ihrem eigenen Blog auch andere Mode-Blogs, die Sie gut finden?
Ja, ich liebe SHOWstudio.com, und hin und wieder finde ich auch Style.com hilfreich, wenn ich mal nicht zu einer Show gehen konnte. Außerdem mag ich PaperMag.com, und ich lese gerne den Blog, den Cathy Horn für die New York Times schreibt. Leider kann ich kein Japanisch, denn aus Japan kommen ebenfalls sehr interessante Blogs.
Welche jungen Designer finden Sie momentan am interessantesten?
Sandra Backland. Sie ist eine schwedische Designerin, die ich auf einer Reise nach Stockholm entdeckt habe, und nun wird sie am Festival d’Hyères teilnehmen – in dessen Jury ich sitze. Sandra Backland entwirft wunderbare Strickmode und spielt mit Volumen und verschiedenen Techniken. Sie ist ein großes Talent. Außerdem bin ich sehr begeistert von Henrik Vibskov. Was er tut, geht weit über die Arbeit eines Modedesigners hinaus, er macht auch Kunst und Musik. An seinen Kollektionen und Präsentationen mag ich den Humor. Ich habe überhaupt den Eindruck, Designer aus Skandinavien haben im Moment sehr viel zu sagen.
Sie reisen ständig. Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen sich in verschiedenen Teilen der Welt – nicht zuletzt durch den Einfluss des Internets – zunehmend ähnlich kleiden?
Ja, es gibt tatsächlich ein Globalisierungsproblem. Es ist schade. Ich denke, die richtige Nutzung des Internets sollte darin liegen, nicht alles gleich zu machen, sondern die Verschiedenheit abzubilden, die es auf der Welt gibt.
Welche Musiker oder Bands, finden Sie, haben einen guten und interessanten Stil?
Ich mag immer noch Antony And The Johnsons sehr gerne. Patti Smith, Morrissey und Bob Dylan – sie schätze ich für ihren sehr persönlichen Stil. Und Tori Amos – weil sie von der unvergleichlichen Karen Binns gestylt wird.
Seit 1978 bewegen Sie sich in der Modebranche. Was hat sich Ihrer Meinung nach in dieser Zeit am meisten verändert?
Ein offensichtlicher Unterschied ist natürlich, dass im vergangenen Jahrzehnt Geschäftsmänner zu den wichtigsten Figuren der Modeindustrie aufgestiegen sind und dass man sich im Zuge dessen auf kreatives Marketing konzentriert hat, statt junge Designtalente zu fördern. Selbst für ein geschultes Auge ist es mittlerweile kaum noch möglich, die Kollektionen der großen Modelabels auseinander zu halten. Sie sehen fast alle gleich aus. Das finde ich sehr bedauerlich.
Gab es in den 30 Jahren, die Sie sich nun mit dem Modegeschäft beschäftigen, bestimmte Kollektionen, die Sie nie vergessen werden?
Als ich selbst noch Designerin war, bin ich nur sehr selten auf Modenschauen gegangen. Aber nachdem ich nach Paris gezogen war, wurde ich zu einer Couture-Schau von Lanvin eingeladen. Claude Montana hatte sie entworfen, und es war die absolut schönste Kollektion, die ich bis dahin gesehen hatte. Sie war absolut pur und skulptural, ich bekam regelrecht Gänsehaut. Ebenfalls umgehauen hat mich die erste Schau, die ich von Walter Van Beirendonck gesehen habe. Das war zu der Zeit in den Neunzigern, als er noch von einem großen deutschen Jeanslabel gesponsert wurde und auf diese Weise das Budget hatte, um sich richtig auszutoben.
Wie kommt es, dass Sie sich neben Ihrem Blog nun auch noch als Co-Kuratorin für die neue Mode-Plattform iqons.com engagieren?
Die beiden iqons.com-Gründer Rafael Jimenez und Suran Goonatilake haben mich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, mit ihnen zusammenzuarbeiten – ich schätze, sie dachten, mein Image sei gut für ihre Plattform. Aber da es ihnen genauso wie mir darum geht, in einem Geschäft, das von ein paar Mächtigen kontrolliert wird, neue Talente zu finden und zu fördern, passte diese Verbindung auf Anhieb sehr gut.
Der Slogan von iqons.com lautet »Set fashion free«. Was soll das bedeuten?
Wir wollen Türen aufstoßen und ein bisschen frische Luft ins Modegeschäft bringen. Wir sind gelangweilt davon, dass in den großen Magazinen nur Anzeigenkunden und die Freunde der Redakteure Beachtung finden. Natürlich gibt es auch kleinere, unabhängige Print-Publikationen, die über junge, noch unbekannte Talente berichten. Wie ihnen geht es uns mit iqons.com darum, den Fokus mehr auf die Arbeit und den Verdienst zu lenken und nicht so sehr aufs Geld und das große Geschäft. Wir wollen Kooperationen auf den Weg bringen – zwischen Fotografen, Designern, Stylisten, Make-Up-Künstlern und Illustratoren.
Sie unterrichten auch am Institut Français de la Mode in Paris. Was ist der beste Rat, den Sie Ihren Studenten mit auf den Weg geben?
Keine Design-Verschmutzung! Gestaltet nur, wenn ihr wirklich etwas zu sagen habt. Und dann tut es so individuell wie möglich.
Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann selbst auch wieder als Designerin zu arbeiten?
Ich glaube, ich habe in meinem Leben schon zu viele Kollektionen gesehen, als dass ich noch mal so unschuldig ans Designen herangehen könnte, wie man es tun sollte. Ich denke aber tatsächlich gerade darüber nach, eine Sonnenbrillenkollektion zu entwerfen.

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[...] „Das Wort ›Erscheinung‹ muss für Menschen wie sie erfunden worden sein.“ Als ich auf den kleinen schwarzen Fleck, um den sich am Ende des langen Kampnagel Flures die Menschen scharen, zueile, verstehe ich die Dimension dieses Satzes. Als Mittelpunk des Menschenknäuels ist sie bereits aus der Ferne auszumachen, die Pionierin des Mode-Bloggens. Zu meiner Überraschung jedoch nicht nur durch ihren markanten Signatur-Stil, der sich wohl am ehesten mit einer Kreuzung aus progressivem Witwenchic mit Couture-Goth beschreiben lässt, sondern durch eine anziehende Aura der Gelassenheit und Ruhe. [...]