Guster

Ganging Up On The Sun

Text: Christian Rief

Über Norah Jones stand einmal geschrieben, sie mache Musik für Menschen, denen Musik eigentlich egal ist. Ähnliches lässt sich auch über die Bostoner Band Guster sagen, die bereits das fünfte Album veröffentlicht und sich selbst mit Superlativen geradezu überschlägt: Man habe für »Ganging Up On The Sun« die lautesten, leisesten und längsten Songs mit den aufrichtigsten und zynischsten Texten der Bandgeschichte geschrieben. Dass diese Attribute wenig über Qualität aussagen, zeigt sich spätestens ab dem vierten Song, wenn die anvisierten Bezüge auf The Mammas & The Papas oder The Band wie ein Kartenhaus zusammenfallen und für den Rest der Platte nichtssagendem und – viel schlimmer – absolut nichts wollendem Mainstream-College-Pop-Rock weichen, der sich in seiner risikolosen Mittenlastigkeit in jedem Radiosender zwischen Crowded House und Bryan Adams verstecken und wohlfühlen kann. Dabei lässt sich an der nicht vorhandenen Dramaturgie des Albums bestens nachvollziehen, wie schnell die Puste ausgehen kann: »Lightning Rod« erinnert als minimal instrumentierter Opener daran, wie toll Coldplay in ihren besten Momenten sein konnten. Das folgende »Satellite« kann es mit schwindelig kreisender Orgel und wirklich zauberhaftem Strophengesang sogar mit den Shins und alten R.E.M. aufnehmen, um schließlich im Refrain doch noch zu kapitulieren. Und dann ist das Problem da: Keine Ideen mehr. »Manifest Destiny« versucht es noch mit einer musikalischen Hommage an Beatles und Beach Boys und scheitert grandios an der Last, beides gleichzeitig sein zu wollen. »The Captain« haut uns den Country so plakativ um die Ohren, dass schon im ersten Takt die Absicht zu spüren ist, auf keinen Fall potente Zielgruppen durch Roughness zu verlieren. Und so geht’s dann weiter, immer schön die History of Rock im Auge behalten und an die Verwertbarkeit denken. Dass dann ausgerechnet das unerträglichste, weil mit typischem 80er-Rock-Pathos intonierte Stück auch noch »The New Underground« heißt, rundet den orientierungslosen Eindruck dieses Albums perfekt ab. Wie hieß die Band gleich nochmal?

LABEL: Rykodisk

VERTRIEB: RTD

VÖ: 03.08.2007

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