Junior Senior
Hey Hey My My Yo Yo
Text: Gunnar Klack
Das Nachfolgealbum zu Junior Seniors Debut »D-D-Don’t Stop The Beat« ließ nicht nur lange auf sich warten, sondern sorgte auch für Verwirrung. »Hey Hey My My Yo Yo« war seit Mai 2005 als Import in Deutschland erhältlich, bevor es vor über einem Jahr hier veröffentlicht wurde. Klare Angaben zu Singles und Videos gab es kaum, und so hielt sich das mediale Echo in noch bescheideneren Grenzen, als es das Album verdient hätte. Diesen Sommer steht die Veröffentlichung in Amerika an, und gleichzeitig der Versuch, die Platte in Europa noch einmal erfolgreicher zu lancieren. Vielleicht war es allen einfach etwas peinlich, dass das gar nicht so phantastische Debüt damals so unglaublich hochgejubelt wurde.
Katerstimmung, man wollte am liebsten gar nicht an den vorangegangenen Bad-Taste-Rausch erinnert werden. Die Wiederveröffentlichung von »HHMMYY« ist also auch ein Anlass, darüber nachzudenken, was genau eigentlich mit Junior Senior los war. Da war nämlich »Move Your Feet«, einer der besten Songs des Jahres 2003. Und auch der wäre bestimmt nur als Geheim- oder Underground-Hit gelaufen, wäre da nicht das geniale Video mit dem bösen Eichhörnchen gewesen, das die unwiderstehliche Spaßigkeit des Liedes noch einmal zu steigern vermochte. Hit und Video hatten für allseitige Begeisterung gesorgt. Dass das dazugehörige Album durchweg durchgewunken wurde, lag dann aber daran, dass in dem Phänomen Junior Senior eine politische Dimension lag. Was nämlich »D-D-Don’t Stop The Beat« vor dem Hintergrund des musikalischen ›anything goes‹ propagierte, war eine revolutionär gleichberechtigte und originelle Repräsentation unterschiedlicher Sexualitäten: Der große coole Homo und der kleine lustige Hetero sangen und rappten von Chicks’n’Dicks and Rock’n’Roll. Es war eine humorvolle und glaubhafte Dekonstruktion von Genre, Herkunft, Sexualität und musikalischer Produktionsweise gelungen. Der wüst zusammengesamplete Surfrock-Funk, der sich abseits von »Move Your Feet« auf dem Album befand, hätte zwar schon damals als Schrott auffallen können, dafür waren allerdings alle zu sehr beschäftigt damit, zu eben jenem Song ihre tradierten Geschlechterrollen wegzutanzen. Mittlerweile haben sich Jesper Mortensen und Jeppe Laursen ein wenig entspannt. Grooviger Soul hat Einzug gehalten in dem immer noch durchgeknallten Sounduniversum der Dänen. Und auf »Hey Hey My My Yo Yo« tritt der Queer-Faktor auf der Textebene in den Hintergrund. Wenn über amouröse Begehrlichkeiten gesungen wird, dann meistens geschlechtsneutral. Eindeutige Anspielungen, mit denen »D-D-Don’t Stop The Beat« wucherte, gibt es jetzt nur noch wenige: »Give me a girl that I can – give me a boy so we can have fun« ist einer der seltenen Momente (»Itch You Can Scratch«). Dass jetzt noch mehr Selbstverständlichkeit im Miteinander der Identitäten herrscht, mag auf persönlicher Ebene ein Fortschritt sein. Es macht Junior Senior aber auch ein Stück weniger aufregend.
LABEL: Crunchy Frog Records
VERTRIEB: Cargo Records
VÖ: 27.07.2007

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