Montag / Cagesan
Going Places / I Love Machine
Text: Kai Ginkel
Das Pop-Gespür von Antoine Bédard alias Montag geht wohl am ehesten auf Andy Partridge und auf XTC zurück: Clever, catchy, aber oft auch ein wenig schüchtern, käsig und distanziert. Recht schön jedenfalls. Dem Francokanadier Bédard gelingt es zwar nicht, wirklich kraftvolle Hooklines festzhalten, doch das liegt keinesfalls an den Grundvoraussetzungen, sondern vielmehr an der matschigen, latent überladenen Produktion, die man im Großen und Ganzen etwas reduzierter und auch etwas prägnanter hätte gestalten sollen, um dadurch so manchen Einfall etwas klarer hervorzuheben. Es ist zwar immer wieder eine Wohltat, gelungene Variationen auf die klassische Wall of Sound zu hören. Bedauerlich ist es aber, wenn dabei der Schmiss auf der Strecke bleibt, der Montag und seiner stilvollen Melancholie mit Sicherheit gut zu Gesicht gestanden hätte. Im Endeffekt liegt ein Album vor, das sich mit dem 2003 erschienenen Manitoba- bzw. Caribou-Longplayer »Up In Flames« (damals ein kleines Highlight, keine Frage) fast sämtliche Stärken und Schwächen teilt. An Charme gewinnt es immer wieder dann, wenn die Texte der Lieder nicht auf Englisch, sondern auf Französisch vorgetragen werden: »Going Places« stünde in meiner Gunst bestimmt um ein Ganzes höher, wenn das auch bei einer schnelleren, wirklich eingängigen Nummer wie dem überaus feinen »No One Else« geschehen wäre. Das hätte schlichtweg fantastisch gepasst. So, wie sie ist, ist diese Musik aus dem Umfeld der – natürlich – Broken Social Scene aber noch immer originell genug, um unter Kennern mit Wohlwollen beachtet zu werden.
Deutlich bunter treibt es Bédard allerdings auf »I Love Machine«, einem eigenwillig konzipierten Album, das dem Bicheno-Finken Cagesan gewidmet wurde, dessen Zwitschern und Zirpen hier immer wieder auftaucht wie in einem charmant überbordenden »Bird And Person Dyning« des Notebook-Pop. Bédard ist einer von 15 Beteiligten, die in kontrollierter Dada-Manier ein liebenswertes Programm voller Schrulligkeiten und ausgetüftelter Produktionen präsentieren, von denen mich insbesondere diejenigen überzeugen, in denen die jeweiligen Musiker die Nerven der Zuhörer mehr als nur ein kleines bisschen strapazieren: Cubist Literature bringen mit ihren ultrakurzen, bis zur Unerträglichkeit aneinandergereihten Loops die Mixtur aus kindischem Charme und effektiver Finesse, die diese Compilation zu großen Teilen ausmacht, beispielsweise hervorragend auf den Punkt. Wenn man nach einigen gar zu blöde geratenen Einfällen wie dem albernen Beitrag von MC Cat Genius nicht aufgibt, kann man hier sogar ein paar regelrechte Ohrwürmer finden, die sich trotz der jederzeit verschrobenen Arrangements behäbig in den Vordergrund schlängeln. »Chemise de Nuit« von Davide Balula wiederum ist ein gutes Beispiel dafür, dass auf »I Love Machine« auch ausgewiesene Sperrigkeit ihren Platz findet und zwischen all dem exzentrischen Wohlklang keinesfalls untergeht. Wirklich ein süßes und einzigartiges Album.
LABEL: Carpark Records / Beau Brun
VERTRIEB: Cargo / Kompakt
VÖ: 08.06.2007

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