Diverse

Even Cowgirls Get The Blues

Text: Christian Rief

Die barbusige Dame fuchtelt mit einer Knarre herum. Was will uns dieses Cover erzählen? Vielleicht, dass wir lieber in Deckung gehen sollten, weil uns hier gleich ein Haufen Flintenweiber mit einer Salve rasenden Hillbillys den Hintern durchsiebt? Also CD rein und Lautstärke runter. Was dann die nächsten 63 Minuten aus den Boxen kommt, hat mit der Verpackung dieser erstaunlichen Compilation so wenig zu tun wie Slayer mit dem Kirchentag: Abseits des verkaufsfördernden Covers trifft der Titel als Hommage an Gus Van Sants gleichnamigen feministischen Western den rostigen Nagel auf den Kopf: Die Cowgirls dienen als klare Bestimmung des Genres Country & Folk, der Blues als Eingrenzung auf melancholische, traurige oder ähnlich definierte Stimmungsbilder fern jeden Square Dance-Schuppens: Hier regiert der Impressionismus! Und die Compiler müssen von den »immensely talented 17 cowgirls« wirklich überzeugt sein: Nicht eine einzige auch nur mittelberühmte Songwriterin im Reigen der aus allen Teilen der USA stammenden Musikerinnen taucht hier auf. Im Gegensatz zur ebenfalls von Fargo Records veröffentlichten 2006er Kompilation »Cowboys In Scandinavia«, die in Anlehnung an Lee Hazlewoods Album »Cowboy In Sweden« einen Überblick über die an American Roots orientierte Musik im Norden Europas gibt, verlässt man sich hier allein auf die musikalische Aussagekraft. Ein Blick auf die Namensliste gefällig? Haley Bonar. Liz Durrett. Mariee Sioux. Man könnte auch drei andere nehmen: Laura Gibson. Kelly McRae. Dawn Landes. Nie gehört? Umso besser, denn hier bekommt man eine Ahnung davon, welche Talente in der in den Staaten oft regional begrenzten Country & Folk-Szene schlummern. Den Weg in die Regale europäischer Liebhaber finden deren Platten oft genug nur über Zufall oder Import. Während tragische Existenzen wie Karen Dalton oder Judee Sill über Wiederveröffentlichungsaktionen endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie zu Lebzeiten aus welchen Gründen auch immer nicht hatten, muss man befürchten, dass großartigen Musikerinnen wie der an den 70er-Jahre-Sound Neil Youngs anknüpfenden Jesse Sykes oder der unfassbar elegant mit Shanty, Blues und Soul jonglierenden Alela Diane dieses Schicksal verwehrt bleibt. Was man dagegen tun kann? CD rein und Lautstärke rauf.

LABEL: Fargo Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 06.07.2007

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