Blaine L. Reininger

Glossolalia

Text: Till Kniola

Blaine L. Reininger gehört zur Riege der elder statesmen der europäischen Avantgarde-Szene. Seit den frühen 1980er Jahren, als er mit seiner Combo Tuxedomoon von San Francisco gen alte Welt aufbrach, um mit »No Tears« die Tanzflure auf immer zu verändern – zumal die vernebelten, die schlecht beleuchteten – ist Blaine L. Reiniger ein Fixpunkt im Netzwerk der freischaffenden Interdisziplinarität in Europa. Denkt Film, denkt Theater, denkt Sprache, denkt Dance. Ha – das war lange vor arte! Die Älteren werdens nachvollziehen können: die Stimme des Mannes versprüht jene extravagante, ölig-pompöse Eleganz, die immer zwischen dem arroganten Junkiechic eines Peter Murphy und der entrückten Dämonenhaftigkeit des David Bowie stehen wird. Auf beiden Beinen, ohne Anstrengung, ohne Zerren, ohne Taschenspielertricks. Ob die reine »Musik«, der Soundtrack zu großartigen Gedankenspielen und Breton’schen Versen, dem immer nachrücken kann, das mögen an dieser Stelle andere entscheiden. Denn »Glossolalia« verweist zurecht bereits in der Namensgebung zuallererst auf die Stimme und auf die Kraft der Sprache, gerade in der Verweigerung der reinen Kommunikationsfunktion durch das Abschweifen auf vermeintliche Irrwege neue semantische Brücken zu schlagen. Da muss es eine Schieflage geben, wenn die Musik dem versucht nachzueifern. Der Eindrücke sind viele, die Pastiche ist farbenfroh und dennoch auch ein wenig beliebig: hier ein bisserl Dub, dort ein zackiger Beat, dazwischen viel Meterware. Und trotzdem bleibt eine Faszination zurück, die sich aus dem Zerrspiel von Stimme, der Transformation von Bedeutungen und der rein auditiven Seite des Albums ergibt. Fuck Noam Chomsky, the linguist wohlgemerkt. Happy deciphering!

LABEL: Stilll / Off

VERTRIEB: Broken Silence

VÖ: 09.07.2007

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