Tomahawk

Anonymous

Text: Matthias Schönebäumer

Als Tomahawk-Gitarrist Duane Denison auf einer Tour mit Hank Williams III zahlreiche Bands indigener Herkunft hörte, empfand er deren musikalische Ausrichtung als zu sehr an den herkömmlichen Blues und Country angepasst. Von diesem Ungleichgewicht verstört, begann Denison ausgiebig nach explizit indigener Musik zu forschen und stieß bald auf zahlreiche traditionelle Songs, die Tomahawk auf ihrem dritten Album »Anonymous« nun neu interpretiert haben. Das Resultat ist eine beeindruckende Annäherung an eine musikalische Form, deren Qualität sich unter der Regie von Mike Patton vollends entfalten kann. Nahezu alle Songs wirken wie eine große tour de force des Fantômas-Sängers, dessen gesangliche Fähigkeiten hier in aller Ausführlichkeit bestaunt werden können. Das musikalische Fundament indigener Musik mit ihrer ritualisierten Konzentration auf konstante rhythmische Figuren und die unmittelbare Präsenz des Gesangs, bietet die perfekte Folie für Pattons variantenreiche Stimme, die zwischen geheimnisvollem Flüstern, Schreien und epischem Klagegesang changiert. Vollkommen logisch erscheint es daher auch, das Tomahawk die Songs weitgehend von rockistischen Absurditäten freigehalten haben und sich auf die suggestive Wechselwirkung zwischen Percussion und Stimme konzentrieren. Eher vereinzelt blitzen abstrahierte Gitarrenparts auf, schießen elektronisch modulierte Klänge zwischen Trommeln und fremd klingenden Instrumenten hervor. Eine nahezu mit Händen greifbare Düsternis liegt über Stücken wie »Ghost Dance« oder »Cradle Song«, in denen sich merkwürdige Naturgeräusche mit Pattons suggestiver Stimme zu einem unheimlichen Moment verbinden. Bei aller geheimnisvollen Dynamik enthält das Album aber auch Momente tiefer Spiritualität und Ruhe: ein großartiger Kontrast, der »Anonymous« zu einem ernstzunehmenden Statement für die Nachhaltigkeit uramerikanischer Musikkultur macht.

LABEL: Ipecac

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 22.06.2007

Diesen Artikel kommentieren?

Du musst dich anmelden, um einen Kommentar schreiben zu können.

Solltest du noch kein Benutzerprofil haben, so kannst du dich hier registrieren. Bitte beachte: wir schätzen die Debatte, allerdings bevorzugt mit echten Menschen. Dein Username sollte daher aus Deinem vollen Namen, wenigstens aus Deinem Vornamen bestehen.

 
MySpex
Willkommen auf Spex.de
Du bist derzeit nicht angemeldet.
Um Artikel kommentieren zu können, musst du dich registrieren bzw. anmelden. Solltest du bereits auf Facebook registriert sein, so kannst Du auch diesen Login nutzen.

Login
Registrieren
 


Spex International
Read more English Spex articles

Blogs

-->