Mahogany

»Kopf runter, Jungs«, möchte man den Kohorten neuer englischer Rockbands zurufen, – »nervt nicht mit eurem Selbstbewusstsein«. Schwäche, Labilität
und Verschüchterung stehen im Gitarrensektor derzeit nicht hoch im Kurs, die energetischen Jungmänner mit ihren Gitarren schauen uns geradewegs ins Gesicht, wenn sie mit uns reden. Deswegen freut man sich mehr als klammheimlich, wenn jemand das Stoffel-Genre Shoegazer-Pop neu belebt. Es ist wohl kein Zufall, dass es sich bei dessen eifrigsten Neuinterpreten Mahogany um eine US-Band handelt. »Connectivity!«, das zweite Album dieser Neo-Wimp-Band aus Brooklyn, bietet alles, was das gesenkte Haupt will:  säuseligen Gesang, sämige Gitarrenschlaufen, unheimliche Raumeffekte und
Klangmauern, die so porös klingen, als ob sie jeden Moment wegbröckeln könnten. Dazu gibt es referenzielles Feintuning: Creation-Bands wie House Of Love, 4AD-Bands wie Lush, Stereolab und ihre kühle Romantik, Factory-Bands und ihre reservierte Expression, Philip Glass und sein Minimalismus, The Ventures und ihre Hallgitarren – all das findet sich hier in mustergültiger Verarbeitung. Das größte Vorbild von Mahogany sind aber offensichtlich die legendären Cocteau Twins, deren kristallin klirrende Schwelgereien die Band von Andrew Prinz kongenial fortschreibt. Auf der Doppel-CD finden sich deshalb Mixe von Cocteau Twins’ Robin Guthrie und das Gesangsdebüt von Lucy Belle Guthrie, Tochter von Robin Guthrie und der Cocteau-Twins-Sängerin Elisabeth Frazier.

    »Connectivity!« hat auch jenseits des übersteigerten Fantums viele charmante Momente, läuft aber leider immer Gefahr, das Thema zu gut zu treffen. Denn das Genre Shoegaze wird hier mit fast schon polizeilicher Akribie bis in alle Winkel ausgeleuchtet. So viel Perfektion und Emsigkeit widersprechen der eigentlich zugrunde liegenden Idee der Laschheit. Rezipienten und Rezensenten sollten sich deshalb nicht von den euphorischen Kommentaren der amerikanischen Presse kirre machen lassen. Nein, Andrew Prinz ist nicht der »Kevin Shields
seiner Generation« (Splendid). Um Shoegaze-Heroen wie My Bloody Valentine das Wasser reichen zu können, arbeiten Mahogany viel zu strebsam nach einem Skript. Was fehlt, sind die Fehlleistungen, die wirklich schwachen Momente – solche nämlich, in denen die Selbstgewissheit flöten geht und man Schutz hinter der Wall Of Sound sucht, anstatt sie beflissen mit Kennerwissen zu verputzen.

LABEL: Track & Field Organisation

VERTRIEB: RTD

VÖ: 22.06.2007

JUICE Magazin abonnieren
SPEX ABO
BESTELLEN
UND TOLLE
PRÄMIEN
SICHERN!

 
 
 
ZUM SHOP
spex_no366_final_cover_154px
DIE NEUE
AUSGABE &
BACK ISSUES
JETZT
VERSAND-
KOSTENFREI
BESTELLEN!
 
 
ZUM SHOP
Comic

Paranoide Sprechblasen – Kleine Kulturgeschichte des Comics

Die paranoide Welt ist ohne Comics nicht auszuhalten.

Liima 2016 - Credit Thomas M. Jauk

Efterklang reworked: Liima mit erstem Video »Amerika« & Tour / SPEX präsentiert

Efterklang liegen zwar vorübergehend auf Eis, wer aber das letzte Studioalbum Piramida schätzt, wird mit dem neuen Projekt Liima auf ähnlich bezaubernde wie verkopfte (aber doch ganz andere) Art und Weise entschädigt.

timaminov3

Ästhetik der Post-Apokalypse: Tim Aminov – Videopremiere »One Lone Survivor«

Der Russe Tim Aminov ist ein Klangarchitekt, sein Spezialgebiet: die Ästhetik des Unaufdringlichen. Bevor am 15. Februar seine Moment-EP erscheint, präsentiert SPEX den Clip zu »One Love Survivor« und mit ihm den Beweis, dass sie noch Sinn machen – diese Musikvideos.

Ta-Nehisi Coates

Ta-Nehisi Coates »Zwischen mir und der Welt« / Review

Keine Hoffnung, keine Träume: Mit dem aufwühlenden Erlebnisbericht »Zwischen mir und der Welt« schreibt Ta-Nehisi Coates das Märchen von Amerikas post-racial society ins Grab.

DF16_LOGO_RGB

Nicht-Norm: SPEX präsentiert Donaufestival 2016

Musik und Performance, Kunst und Installation, Video und Tanz – das Donaufestival präsentiert sich auch im elften Jahr nach seiner inhaltlichen Neupositionierung als Allrounder, der auch die Nische nicht vergisst. SPEX präsentiert das Festival mit Mogwai, Pantha Du Prince, DJ Koze und anderen an zwei Wochenenden im Frühjahr.

Roger Willemsen. Foto: Mathias Bothor

Roger Willemsen ist tot

Medienberichten zufolge ist der Autor und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen im Alter von 60 Jahren gestorben.

JuniorBoys

Junior Boys »Big Black Coat« / Review

Big Black Coat (das Album wie der gleichnamige Song) entfalten in der Tat wärmende Wirkung.

Sunflower Bean

Beeinflusst von: allen – Sunflower Bean live / Ticketverlosung

Ritt durch die Rockgeschichte: Sunflower Bean kommen mit ihrem Album-Debüt nach Deutschland.

MaryOcher

Mary Ocher + Your Government »Mary Ocher + Your Government« / Review

Wie man Ochers Werk lesen muss? Wenn es keinen Ort gibt, an dem man sein kann, wie man will, muss man sich diesen Ort schaffen.

fastforward

Killt Streamingdienst den Plattenstar? Ein Plädoyer von Malakoff Kowalski

Die Diskussion um Streamingdienste wurde 2015 von Urhebern und Schallplattenliebhabern mit maximaler Intensität geführt und im Prinzip als ein Werk des Teufels begriffen. Unser Autor, seinerseits Schöpfer musikalischer Werke, ist gegenteiliger Meinung. Ein Plädoyer für Streaming.

_DSC4277_MarkusMilcke

Neue Katastrophen: Human Abfall mit neuem Album auf Tour / SPEX präsentiert

Noisiger Gitarrensound, knarzige Bassläufe und minimalistisches Schlagzeugspiel: Human Abfall thematisieren in ihrem lärmenden, klaustrophobischen Soundgerüst humanitäre Krisen und menschliche Katastrophen. Am 29. April erscheint das zweite Album Form Und Zweck, SPEX präsentiert die dazugehörige Deutschlandtour.

nevermen

Nevermen »Nevermen« / Review

Der vielstimmig mäandernde psychedelische Pop von TV On The Radio, verrührt mit Mr.-Bungle-Rock.