Mahogany

Text von Aram Lintzel
am 22. Juni

»Kopf runter, Jungs«, möchte man den Kohorten neuer englischer Rockbands zurufen, – »nervt nicht mit eurem Selbstbewusstsein«. Schwäche, Labilität
und Verschüchterung stehen im Gitarrensektor derzeit nicht hoch im Kurs, die energetischen Jungmänner mit ihren Gitarren schauen uns geradewegs ins Gesicht, wenn sie mit uns reden. Deswegen freut man sich mehr als klammheimlich, wenn jemand das Stoffel-Genre Shoegazer-Pop neu belebt. Es ist wohl kein Zufall, dass es sich bei dessen eifrigsten Neuinterpreten Mahogany um eine US-Band handelt. »Connectivity!«, das zweite Album dieser Neo-Wimp-Band aus Brooklyn, bietet alles, was das gesenkte Haupt will:  säuseligen Gesang, sämige Gitarrenschlaufen, unheimliche Raumeffekte und
Klangmauern, die so porös klingen, als ob sie jeden Moment wegbröckeln könnten. Dazu gibt es referenzielles Feintuning: Creation-Bands wie House Of Love, 4AD-Bands wie Lush, Stereolab und ihre kühle Romantik, Factory-Bands und ihre reservierte Expression, Philip Glass und sein Minimalismus, The Ventures und ihre Hallgitarren – all das findet sich hier in mustergültiger Verarbeitung. Das größte Vorbild von Mahogany sind aber offensichtlich die legendären Cocteau Twins, deren kristallin klirrende Schwelgereien die Band von Andrew Prinz kongenial fortschreibt. Auf der Doppel-CD finden sich deshalb Mixe von Cocteau Twins’ Robin Guthrie und das Gesangsdebüt von Lucy Belle Guthrie, Tochter von Robin Guthrie und der Cocteau-Twins-Sängerin Elisabeth Frazier.

    »Connectivity!« hat auch jenseits des übersteigerten Fantums viele charmante Momente, läuft aber leider immer Gefahr, das Thema zu gut zu treffen. Denn das Genre Shoegaze wird hier mit fast schon polizeilicher Akribie bis in alle Winkel ausgeleuchtet. So viel Perfektion und Emsigkeit widersprechen der eigentlich zugrunde liegenden Idee der Laschheit. Rezipienten und Rezensenten sollten sich deshalb nicht von den euphorischen Kommentaren der amerikanischen Presse kirre machen lassen. Nein, Andrew Prinz ist nicht der »Kevin Shields
seiner Generation« (Splendid). Um Shoegaze-Heroen wie My Bloody Valentine das Wasser reichen zu können, arbeiten Mahogany viel zu strebsam nach einem Skript. Was fehlt, sind die Fehlleistungen, die wirklich schwachen Momente – solche nämlich, in denen die Selbstgewissheit flöten geht und man Schutz hinter der Wall Of Sound sucht, anstatt sie beflissen mit Kennerwissen zu verputzen.

LABEL: Track & Field Organisation

VERTRIEB: RTD

VÖ: 22.06.2007

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