Public Enemy

Revolverlution Tour 2003

Text: Matthias Schönebäumer

Kaum eine Hiphop-Band hat wohl so sehr unter der Bürde ihrer eigentlichen Relevanz zu leiden wie Public Enemy. Die Rezeption ihres mittlerweile auf Sub- und Internet-Labels veröffentlichten Outputs spielte sich in den letzten Jahren weitgehend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung ab, was wohl auch an einer mittlerweile einsetzenden Historisierung ihres hyperaktiven Agitprop-Sounds liegen mag. Zuletzt ging eine gewisse Ermüdung von Chuck D’s immergleichen Slogans und Raps aus, während Flavor Flav sein Geld lieber mit Reality Show-Trash bei MTV verdient. Da man in Europa wohl noch auf die größte Fanbase hoffen kann, haben Public Enemy ein Konzert im Rahmen ihrer »Revolverlution Tour 2003« in Manchester zu einer Doppel-CD bzw. DVD aufblasen lassen, wobei sich nur anhand des sagenhaft unausgegorenen Gesamtsounds erkennen lässt, dass es sich hier tatsächlich um einen Live-Mitschnitt handelt. Als Backdrop sind mittlerweile seltsame DJs und Gastmusiker tätig, die einen handwerklich bedenklichen Mix aus Playbacks und steinzeitlichen Loops liefern, über den sich Chuck D und Flavor Flav zunehmend kraftlos durch ihr Werk rappen. Und tatsächlich fehlt kein einziger der großen Hits: »Welcome To The Terrordome«, »Fight The Power«, »Rebel Without A Pause« - die schiere Überpräsenz nahezu jedes wichtigen Public Enemy-Tracks erscheint fragwürdig. Ohne Gespür für Spannungsmomente und mit dem Charme eines Lehrgangs über Verzahnungstechnik spult sich das Ensemble durch ein schier endloses Set, an dessen Ende tatsächlich 26 Tracks zu Buche stehen. Dass sich eine einst so gewitzt und aggressiv argumentierende Band wie Public Enemy dabei zu stumpfen »Fuck George Bush, fuck Tony Blair!«-Shouts herablassen würde, lässt einen ebenso erschaudern, wie die muckerhaften Rockgitarren, die fast jeden Song bedröhnen und ihnen dadurch jegliche Spannkraft nehmen. Darüber hinaus eignet sich dieses vollkommen irrelevante Doppel-Album wieder einmal als hervorragender Beweis dafür, dass Live-Alben im Hiphop einfach keine nennenswerte Rolle spielen.

LABEL: Steamhammer

VERTRIEB: SPV

VÖ: 29.06.2007

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