Palomar

All Things, Forests

Text: Esther Göbel

Die Welt ist unfair. Kleines musikalisches Beispiel gefällig? Nehmen wir doch...drei Damen plus einen Herren aus Brooklyn, New York. Denn Palomar stehen geradezu exemplarisch für diese empfundene Ungerechtigkeit, spielen sie sich doch schon seit längerer Zeit auf hohem Niveau den Arsch ab und die Finger wund, ohne jedoch besonders großes Aufsehen damit erregt zu haben. Warum die verdiente Aufmerksamkeit bislang auf sich warten ließ? Nobody knows.
    Vielleicht (Backslash, »hoffentlich«) wird Album Nummer vier es jetzt richten. Denn mit »All Things, Forests« ist Palomar ein solides, an einigen Stellen überraschendes und in jedem Falle überzeugendes Album gelungen, das sich gekonnt zwischen den Koordinaten des leichtfüßigen Indie-Pops auf der einen, und des absolut dringlichen, bis ins Mark erschütternden, klassisch gespielten Indie-Rocks auf der anderen Seite bewegt. Da verirren sich an einigen Stellen schon mal ein Chor, eine Ukulele oder auch ein Keyboard in den ansonsten eher Gitarrenlastigen Sound, so dass das erste Stück »Bury Me Closer« eher an Tilly And The Wall als an eine Rock-Combo erinnert. Blumiger Indie-Pop also, süße Harmonien, charmant und geradezu lieblich geträllert. Doch zeichnen Palomar sich eben durch eine weitere Stärke aus, und die heißt: Vielseitigkeit. »Our Haunt« beispielsweise, von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselnd: Der Song rockt, eine Hookline jagt die nächste, und getrieben von der leicht trockenen Stimme Rachel Warrens bleibt dieses Stück noch weit über die Dauer des kompletten Albums im Gedächtnis. Und so ist »Our Haunt« Segen und Fluch gleichermaßen: Keines der übrigen Stücke kann die dadurch hoch gesteckten Erwartungen gänzlich erfüllen.
    Aber es wäre – man ahnt es bereits – jenseits jeglicher Gerechtigkeit, das komplette Album allein unter diesem Kriterium zu betrachten; einige gute Stücke wie »The Air Between Us«, »You´re Keeping Us Up« oder »Woah!« gingen wahrscheinlich verloren. Und so fühlt man sich bereits nach dem allerersten Durchlauf von »All Things, Forests« in zwei Gedanken bestätigt: Palomar verdienen mehr Aufmerksamkeit. Und: die Welt bleibt unfair.

LABEL: BB*Island / Misra

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 29.06.2007

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