The Concretes
Hey Trouble
Text: Wibke Wetzker
Der beliebten Phrase des »Gesundschrumpfens« zum Trotz betonen acht Musiker aus Stockholm immer wieder, wie wichtig die Vielfalt der Stimmen und Meinungen für das Funktionieren ihrer Band The Concretes ist. Umso erschütternder – so könnte man denken – hätte sich der überraschende Ausstieg von Victoria Bergsman auf das musikalische Gleichgewicht im Kollektiv auswirken müssen. Doch weit gefehlt. Nachdem die ätherische Sängerin mit der zarten Stimme im vergangenen Jahr überraschend den Pfad einer Solokarriere einschlug, übernahm kurzerhand Schlagzeugerin und Gründungsmitglied Lisa Milberg die Position der Frontfrau, im Vergleich zu den ersten beiden Alben »The Concretes« und »In Colour« sollte sich dadurch aber nichts Wesentliches in Stil und Präsentation ändern. The Concretes füllen die Lücke zwischen »sweet« und »bittersweet« mit kapriziös unschuldigen und verspielten Popnummern, die sich an die Musik der 60er und 70er Jahre anlehnen, aber nicht zum Vorteil aller Retro-Gebärden in Nostalgie schwelgen, sondern eine wunderliche eigene Dynamik entwickeln. Auf »Hey Trouble« findet sich erneut mehrstimmiger Gesang, elektronisch zart versetzte Tanz-Balladen, folkiger Gospel und assoziativ in Worte gefasste Gemütszustände, die von den Möglichkeiten und dem Unvermögen menschlicher Beziehungen berichten. Dass sich The Concretes reduzierter ausdrücken als zuvor, macht sich vor allem gegen Ende dieses dritten Albums bemerkbar, dort befinden sich mit »Oh No« und »Simlpe Song« zwei der eindringlichsten und einfachsten Songs, die neben »A Whales Heart« durch Lyrics voller Klarheit und Poesie hervorstechen. »Hey Trouble« ist Musik, mit der man sich in ein Auto sperrt, um dort entlang zu fahren, wo keiner aussteigen kann. Ein Diktat zur Annäherung auf den Serpentinen dieser Welt.
LABEL: Licking Fingers
VERTRIEB: Alive
VÖ: 20.06.2007

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