Amiina Kurr

Auf so eine Platte habe ich lange gewartet. Ewig. Sie hat diese Zuneigung von Raymond Scotts »Soothing Sounds For Babys«, jenem Frühwerk des elektronischen Ambiente-Schaffens aus den Jahren 1962 und ´63, existiert aber ohne die Idee irgendeinen Zwecks. Sie hat neben der so entschiedenen Gesetztheit all dieser fließenden Flächen, der darin eingearbeiteten Rhythmen und wunderlich arrangierten Klangfarben sogar etwas Folkloristisches. Ein Akkordeon klingt schnell nach Schifferklavier, zumal, wenn es in diesen leicht quäkigen Registern gespielt wird wie hier,  und auch von mädchenhaftem Gesang gedoppelte Geigen vermitteln schnell etwas von den Ritualen des Country Life. Zudem spielen Amiina aus Reykjavik auf ihrem ersten Album »Kurr« mit »Hilli« einen Langsamen Walzer und lieben es, simple Melodien auf die-Hochzeit-von-mei´m-Onkel-reifen Instrumenten zu präsentieren: Gleich mehrfach ertönt die singende Säge, und auch Weinglasränder werden gerührt.
Die vier Frauen in ihren Mitzwanzigern, erfahren bereits um Konservatoriums-Studien und ebenso um Welttourneen als Streichquartett von Sigur Rós, belassen es nun einige Male bei den einfachen Dingen. Dann entsteht sowas wie Tiersens »Amélie«-Soundtrack in richtig gut, völlig gelöste Kammermusik ohne eben den Effekt der bei Filmmusiken so üblichen, gewaltsamen  Emo-Überwältigung. Manchmal, und das steigert den Suspense von »Kurr«, da geben sie ihrer Idee von, hm, ungezwungenem Zusammenspielen doch andere Formen, da stilisieren Amiina ihre Musik. Sie erkunden das Terrain der Minimal Music der 60er Jahre, zeigen, dass sie gar imstande sind, sehr privaten, fast intimen Jazz zu spielen. »Kurr« läuft deshalb ständig bei mir, weil die Form hier rein gar nichts ausmacht. Nennen wir es Soul oder Präsenz oder Aura, oder besser, Aura und Präsenz und Soul, Amiina haben es.

LABEL: Ever Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 18.06.2007

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