Crippled Black Phoenix

A Love Of Shared Disasters

Text: NLB / B

»Born from a blizzard of horned cats, Crippled Black Phoenix bring you a twisted cinematic experience, handcrafted by a mercenary crew of musical outsiders, giving depth and gravity to regal songs about love, loss, tragedy and edemption.« Gehörnte Katzen? Welcher Rollenspieler wollte einen besseren Eröffnungssatz schreiben? Dieser perfekten, wundervoll geschliffenen Beschreibung sind höchstens ein paar klumpig profane, aber vermutlich ebenso verkaufsfördernde Informationen hinzuzufügen: Im Jahre 2004 begann Justin Greaves damit, Songs und Soundscapes zu skizzieren, die ihn bereits seit Jahren wie Geister verfolgten – damals vergeudete er noch sein Talent als Schlagzeuger von Electric Wizard, zuvor war er zusammen mit den beiden Jungs von SunnO))) Teil des legendären,
nach einem Earth-Titel benannten Drone-Doom-Seitenprojekts Teeth of Lions Rule the Divine.
    Auf Anraten seines guten Freundes Dominic Aitchison, Bassist bei Mogwai, nutzte Justin die Songskizzen als Ausgangspunkt für eine gemeinsame Band. Vervollständigt von Freunden mit einer illustren, aber weitgehend unbeobachteten Geschichte in Bands wie Pantheist, Gonga und 3D House of Beef, erhob sich Crippled Black Phoenix schließlich zu einem Biest, das inzwischen mehr Köpfe hat als die Hydra im Symbol der Symbionese Liberation Army. Ihr Debütalbum, den zähsten Stunden des heißesten Sommers seit Beginn der Wetteraufzeichnungen abgerungen, wurde von Geoff Barrow produziert und jüngst auf seinem Label Invada Records veröffentlicht – in einer Presseveröffentlichung dazu lässt er verlauten, er habe lange Zeit darauf
gewartet, dass jemand endlich eine Platte wie diese mache... (der Mann kennt sich aus mit Warten, seine Fans warten seit ca. sechs Jahren auf ein neues
Album von Portishead). Zeit wird beim innigen Sinnieren über und mit »A Love of Shared Disasters« zur magischen Vokabel. Zeit bestimmt die luxuriöse Formlosigkeit der im Schnitt sechseinhalb Minuten langen Songs. Ob verhallte Gitarren oder gezogene Bläser, gestrichene Glöckchen oder ein tuschelndes Schlagzeug, verhuschtes Georgel oder die wie in Watte gesponnenen Stimmen – jedes einzelne Element stellt das Zeitempfinden auf die Probe; 1000 Jahre Popkultur verbinden sich in einer absteigenden Tonfolge; selbst auf der  Rezeptionsebene kommt es bei diesem Gebrodel zu einem Gewitter der Post-Everythings (Post-Rock, Post-Dreampop, Post-Folk, Post-Triphop, Post-Doom, Post-Metal), dabei stellt sich am so klangvoll illustrierten Ende des Tages die Frage, ob hier nicht besser von einer Überwindung der Chronologie zu
sprechen wäre. »A Love of Shared Disasters« ist Teil einer Trilogie, in der Anfang, Mitte und Ende keine Bedeutung haben. Ähnlich ungebunden, nahezu
schwerelos erzählt die Musik von ländlicher Verlorenheit und urbanem Ersticken, von feuchtkalten Wetterfronten und dumpf brütender Schwüle, von der Geschichte und der Zukunftslosigkeit. Am Ende summiert sich das einfach zu einer sehr
getragenen, oft vielschichtigen, manchmal pathetischen und immer ergreifenden maximalen Gesamtspielzeit von 77 Minuten – es könnten aber auch Tage sein, gewesen sein, werden...

LABEL: Invada Records

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 25.05.2007

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