Faraday

The Dying Art Of Composure

Text: Dennis Kastrup

»Wenn das Emo ist, dann steh ich endlich drauf!«, so ein Auszug aus dem Pressetext zur Debüt-EP der Hamburger Band Faraday. Es ist davon auszugehen, dass Ratio Records-Mitgründer Stephan Kochen sich zu diesem emotionalen Bekenntnis hat hinreißen lassen. Sein Label existiert noch nicht lange, Faraday ist die erste Veröffentlichung und the first cut ist sowieso the deepest. Auf der einen Seite sind die sechs Stücke von »The Dying Art Of Composure« ein gelungenes, 30-minütiges Minialbum, das sich durch elegante Gitarren-, Streicher- und Pianopassagen auszeichnet. Sie wissen wie Arrangements funktionieren und wie man sie umzusetzen hat. Auf der anderen Seite brechen die Stücke jedesmal mit dem vorangegangenen Rhythmus: Der Ausbruch zum in-sich-zerbrechen, so wie es schon etliche Get Up Kids, Kate Moshs oder auch Marrs vor ihnen getan haben. Sänger Till Strauf singt und brüllt sich dabei so angestrengt über geschrammelte Gitarrenflächen und Schlagzeugwirbel in das elegische Rockjenseits, dass dort selbst die alten Hardcoreleichen nur ein müdes Lächeln parat haben dürften. Keine Frage, sie meinen es verdammt ernst mit der Verzweiflung. Doch das kann nicht die Tatsache ersetzen, dass sich nach über 20 Jahren Emocore beim Hören zwangsläufig ein Gefühl in den Mittelpunkt drängt: Gleichgültigkeit. Das ist Schade. Denn eigentlich hat in diesen Zeiten jedes noch so kleine Label mit seinen noch so unbekannten Bands Hochachtung und Unterstützung für das investierte Herzblut verdient. Deshalb bitte, bitte weitermachen und sich nicht von altklugen Rezensionsschreibern die Butter vom Brot nehmen lassen. Machen sie aber sowieso nicht. Denn Faraday haben laut EP-Titel die aussterbende Kunst der Gelassenheit weg und kontern mit der Textzeile: »In Case we´d be forgotten, at least we tried our best«. Und damit lebt es sich auch vorzüglich.

LABEL: Ratio Records

VERTRIEB: Flight 13

VÖ: 18.05.2007

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