Stars

Do You Trust Your Friends?

Text: Benedikt Köhler

Freundschaft und Vertrauen. Ziemlich große Themen, mit denen die Stars in ihrem jüngsten Experiment hantieren. Die Forschungsfrage von »Do You Trust Your Friends?«: Was passiert, wenn befreundete Musiker das letzte Album »Set Yourself On Fire« remixen, interpretieren oder neu entwerfen? Es geht also nicht nur um die mittlerweile auch in der Indieszene heimisch gewordene Tradition des Remixalbums oder um eine Hommage an die größten Hits moderner Klassikers wie das wunderbare »Illuminati« der Pastels. Die Songauswahl beschränkt sich hier auf das letzte Album der Stars; sogar die Reihenfolge wurde übernommen. So verwandelt zum Beispiel Owen Pallett (Final Fantasy) »Your Ex-Lover Is Dead« in einen verschlafenen Popwalzer mit Violine und gedämpft schepperndem Piano. »Ageless Beauty« wird von The Most Serene Republic als Mungo-Jerry-Kaffeehaus-Jam neu entdeckt. Der perfekte Popsong »Reunion« wird von Geburtshelfer Jason Collett (Broken Social Scene) als verwegener Bluesrock-Stampfer der 1970er-Stones reinkarniert. Und die Dears widmen sich »What I'm Trying To Say« gleich in zwei Variationen – einmal als Neowavenummer mit sorgfältig freigelegten Jingle-Jangle-Gitarren und einmal als Electroclash. Andere Songs werden durch die Elektromühle gejagt (»Sleep Tonight« von den Junior Boys) oder im Stil eines Quentin-Tarantino-Soundtracks unter reichlicher Verwendung von Panflöte und Progrockgitarren eingespielt (»Soft Revolution«, The Stills). Aber im Zusammenhang mit dieser kunsthandwerklich durchgängig gelungene Reduxfassung von Vertrauen zu sprechen, erscheint mir doch etwas weit hergeholt. Denn: Was stand für die Stars auf dem Spiel? Vielleicht liegt der echte Freundschaftsdienst dieser kanadischen Indieleistungsschau auch eher darin, zu demonstrieren, welchen ästhetischen Genuss es bereiten kann, angesichts eines derart stimmigen Vorbilds zu scheitern.

LABEL: Arts & Crafts

VERTRIEB: Alive

VÖ: 08.06.2007

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