Puppetmastaz / Jan Delay
Clones! Live in Berlin / Mercedes Dance (Live)
Text: Selcuk Erdogan
Es gibt ihn, den kompletten Künstler: One-Take-Wunder in der Booth, strahlende Promomaschine am Autogrammstand Deines Vertrauens, eloquenter Interviewpartner und vor allem – ein Duracell-Häschen auf der Bühne.
Kommen wir also zu zwei Exemplaren, die dieser Tage Live-DVDs veröffentlichen, um uns von ihrer Vollkommenheit zu überzeugen. Die Puppetmastaz aus Berlin haben dabei vordergründig einen Nachteil – es handelt sich dem Namen zufolge um Puppen. Stellt sich die Frage: wie interagiert man mit Puppen? Schaut man sich die Mitschnitte auf »Clones! Live in Berlin« an, so kommt man zu dem Schluss, dass es geht, solange die Show rockt. Und das tut sie, selbst Meister Joda weiß das und schaut mal rein, um gegen den marketingsüchtigen George Lucas zu wettern! Dabei wurde der große Scorcese in der Schublade gelassen, keine gewagten Kamerafahrten, lediglich das faszinierte Publikum, welches Mr. Maloke und Co. (die übrigens den Menschen des Credits-Diebstahls bezichtigen) umjubelt. In Frankreich geht das gerne auch vor 5000 Menschen im großen Zirkuszelt. Zum Schluss einer Session wird dann gemenschelt, was jedoch die schöne Illusion zerstört, die Puppen übernähmen die Macht. Bei den Puppetz (bester Myspace-Buddie, Kermit der Frosch) zählt jedoch das Gesamtpaket: Musik, Show, Idee, Umsetzung, alles bestens. Wer noch was Besonderes in seiner Live-Akte sucht, der sollte einen Blick in diese DVD werfen!
Jan Delay hingegen ist aus Fleisch und Blut. Der Gedanke, an seinen besonders ausgeprägten Stimmbändern könnte sich ein Strippenzieher verdingen, kann somit ausgeräumt werden. Und weil Mercedes Dance ein gelungenes Album geworden ist, lässt der Derbste uns einen Blick in das Tourleben samt Aufnahmeprozess werfen. Dass der a.k.a.-Meister sich selbst nicht gut findet, wenn er in völliger Rage lauthals herumschreit, wissen wir aus sicherer Quelle. Wie das jedoch aussieht, bekommt man auf dieser DVD geboten. Mit der WDR Big Band im feinen Zwirn, oder bei tropischen Temperaturen auf dem Summer Jam zu Köln – Herr Eißfeldt steht seinen Mann. Zwischendurch immer mal Interviewfetzen über dies und das: wobei die Interviewdichte in zahllosen Umsonst- und Nichtumsonst-Magazinen schon alles zu Tage gefördert haben sollte, was es über dieses musikalische Genie zu sagen gibt. Warum also noch eine DVD? Ganz einfach, um die »Jan Delay geht Platin«-Initiative zu pushen. Denn wenn es jemand verdient hat, dann er. Punkt!
LABEL: Louisville Records / Universal Music
VERTRIEB: Universal Music
VÖ: 25.05.2007

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