James Yorkston

Woozy With Cider / Roaring The Gospel

Text: Kai Ginkel

Ohne Zweifel ist James Yorkston einer der interessantesten Singer/Songwriter unserer Zeit. In einem Genre, das sich häufig in den immer gleichen, schauderhaft faden Nachdenklichkeiten ergeht, ist der schrullige Schotte einer, der zwar nicht im großen Stil mit Konventionen bricht, seine Musik aber oft ein kleines, entscheidendes Stückchen geistreicher, eigenwilliger und schöner gestaltet als die meisten seiner vom Tiefsinn geplagten Kollegen. Zur Erinnerung: Sein Ende 2006 erschienenes Album »The Year Of The Leopard« wurde von Rustin Man produziert und ist etwa dreimal so gut wie dessen Beth Gibbons-Kollaboration »Out Of Season«.
    Beim ersten Hinhören mag Yorkston zwar meist etwas unscheinbar und fast sogar beliebig klingen, doch gerade jetzt, wenn man »Woozy With Cider« (vom erwähnten Album) als Single gesondert betrachtet, wird einem bewusst, dass es sich wirklich lohnen kann, neuer Musik auch heute noch etwas Zeit zur Entfaltung zu gewähren. Die Remixes, die auf der vorliegenden EP versammelt wurden, haben dem Original nun leider zum Großteil nicht viel Neues hinzuzufügen: Man bekommt nette, letztendlich aber verzichtbare Schattierungen eines Liedes zu hören, das in seinem wunderbar reduzierten Album-Arrangement mit Abstand am charmantesten klingt. Am ehesten ist noch Quiet Village eine kuriose Variante gelungen, denn hier hat man sich vom eigentlichen Song ein ganzes Stück entfernt und den Titel kurzerhand in ein rhythmisch mitreißendes Fast-Instrumental umgestaltet, das sich beinahe zehn Minuten lang in eine milde Trance trommelt. Nicht überragend, aber ein fantasievoller Lichtblick. »Woozy With Cider« ist mit unterschiedlicher Tracklist als 7" oder Doppel-12" zu haben. Das neue Lied »Sunday Jacket« ist nur auf der 7" zu haben und sollte den Remixes vorgezogen werden. Enthalten ist es schließlich auch nicht auf der B-Seiten- und Raritäten-Compilation »Roaring The Gospel«, die soeben herausgegeben wurde. Versammelt wurden dafür ganze zwölf weitere Stücke, die – das kann und darf man so formulieren – das Fan-Herz mit Sicherheit höher schlagen lassen. Beanstanden kann man, dass die Musik von Yorkston weit weniger mitreißend klingt, sobald man sie nicht in einem konsistenten LP-Kontext erleben kann. Es ist nicht zu überhören, dass sich auch hier einige nette Einzelheiten aneinanderreihen. Doch das meiste verliert sich einigermaßen, und man muss an diesem immer etwas unbehaglich dreinschauenden Sänger schon wirklich einen Narren gefressen haben, um hierbei vor Freude tatsächlich am Rad zu drehen. Höhepunkt der Compilation ist »The Lang Toun«, Single von 2002: ein verblüffender Zehnminüter, der trotz seiner etwas gewöhnlichen Anlehnungen an manche Genre-Größe wirklich anständig fesselt und verzaubert. Dass sich der Text mit dem schwierigen Thema der häuslichen Gewalt auseinandersetzt, macht dieses musikalisch überaus elegante Lied zu etwas ganz Besonderem, das sich weit weniger einfach fassen lässt, als man aufgrund der sanften, fast leichtfüßigen Fassade zunächst vermuten könnte.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: RTD

VÖ: 15.06.2007

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