Patti Smith

Twelve

Text: Till Kniola

Auf der Myspace-Seite der Künstlerin werden für ihre Musik folgende Kategorien verwendet: Rock / Alternativ / Heilen und Easy Listening. Letzere Klassifizierung soll vielleicht auf das Anliegen hinter Twelve verweisen: zwölf Songs der Rockgeschichte neu einzuspielen, mit der ganzen Wucht des Smith’schen Erfahrungsuniversums. Ehrfurcht, Wissen, Dignity. Ein leises Gefühl von Konstruiertheit beschleicht einen allerdings schon, wenn Nummern gecovert werden, die eventuell nur in die Auswahl fielen, weil es die Klimawandel-gehypten Spin Doctors aus dem Umfeld der Künstlerin so wollten. Kann das sein? »Everybody Wants To Rule The World« war doch sicherlich keine Sternstunde der Popgeschichte oder? Im Gegensatz zu den obligaten Beatles und Stones natürlich. »Twelve« ist eine Sammlung von erdigen, unspektakulär-beseelten Einspielungen für Ruhrtriennale-Abonnenten und die, die es noch werden wollen. Bewegung kommt allerdings doch einmal so richtig auf, wenn Patti Smith Nirvanas »Smells Like Teen Spirit« intoniert. Hier zeigt sich zweierlei: zum einen das solide Songwriting der Grunge-Helden und zum anderen die grotesk zerrissene Melancholie des Kurt Cobain, die bereits in diesem Smash-Hit angelegt zu sein schien und vormals unter der Aggressivität des Originals verborgen bleib. Patti Smith bringt diesen Aspekt in Ihrer Interpretation deutlich zum Vorschein und ermöglicht so einen neuen Blick auf Rockgeschichte. Leider passiert dies auf Twelve ansonsten viel zu selten.

LABEL: Columbia

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 13.04.2007

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