Patti Smith

Twelve

Text:

Auf der Myspace-Seite der Künstlerin werden für ihre Musik folgende Kategorien verwendet: Rock / Alternativ / Heilen und Easy Listening. Letzere Klassifizierung soll vielleicht auf das Anliegen hinter Twelve verweisen: zwölf Songs der Rockgeschichte neu einzuspielen, mit der ganzen Wucht des Smith’schen Erfahrungsuniversums. Ehrfurcht, Wissen, Dignity. Ein leises Gefühl von Konstruiertheit beschleicht einen allerdings schon, wenn Nummern gecovert werden, die eventuell nur in die Auswahl fielen, weil es die Klimawandel-gehypten Spin Doctors aus dem Umfeld der Künstlerin so wollten. Kann das sein? »Everybody Wants To Rule The World« war doch sicherlich keine Sternstunde der Popgeschichte oder? Im Gegensatz zu den obligaten Beatles und Stones natürlich. »Twelve« ist eine Sammlung von erdigen, unspektakulär-beseelten Einspielungen für Ruhrtriennale-Abonnenten und die, die es noch werden wollen. Bewegung kommt allerdings doch einmal so richtig auf, wenn Patti Smith Nirvanas »Smells Like Teen Spirit« intoniert. Hier zeigt sich zweierlei: zum einen das solide Songwriting der Grunge-Helden und zum anderen die grotesk zerrissene Melancholie des Kurt Cobain, die bereits in diesem Smash-Hit angelegt zu sein schien und vormals unter der Aggressivität des Originals verborgen bleib. Patti Smith bringt diesen Aspekt in Ihrer Interpretation deutlich zum Vorschein und ermöglicht so einen neuen Blick auf Rockgeschichte. Leider passiert dies auf Twelve ansonsten viel zu selten.

LABEL: Columbia

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 13.04.2007

Weiterführende Artikel

  • Review: The Flesh Firetower Huch? Hängt die CD? Ach nein, das ist das Gitarrengeschrubbte Intro. Warum, stellt sich die zweite Frage, sollen all die klassischen Mädelbands wie Siouxsie & The Banshees oder Blondi...
  • Lizzy Mercier Descloux
  • Kurt Cobain, der erste MTV-Tote ​Am morgigen Tag vor 20 Jahren erschoss sich Nirvanas Kurt Cobain, der »erste MTV-Tote«. Die SPEX-Redaktion nahm das bestürzende Ereignis damals zum Anlass, um über den ...

Kommentiere den Artikel

  • Die neue SPEX N°355

    SPEX N°355: Blumfeld​​

    SPEX N°355 – ab sofort versandkostenfrei im SPEX-Shop und ab Donnerstag, 7. August, am Kiosk!

    Blumfeld – das große exklusive Interview, Interpol, Ist Pop museumsreif?, Modegespräch mit Wolfgang Joop, Vorspiel für Meret Becker, Spoon, Mutter, Trümmer, Cold Specks, Night Moves, Anja Plaschg & Anton Spielmann, David Cronenbergs Map To The Stars, coole Modelabels & reaktionäre Macherschweine, Night Moves, Theoriejargon in Literaturwissenschaft und Popkritik, Matthew Herbert, Gazelle Twin, Ben Khan, Nao, Xavier Dolan, The Fat White Family, Kai J. Sasse u. v. m.

    Dazu: die SPEX-CD N°119!

    SPEX – auch im Abo mit Prämie!
    8 Hefte8 CDsnur 40 Euro

    Immer 1 Woche vor Kiosk frei Haus
    Jetzt abonnieren!




  • Musik-VÖs in dieser Woche

    La Roux Trouble In Paradise

    KW 29 (18.07.)

    La Roux Trouble In Paradise (Albumsampler)
    To Rococo Rot Instrument
    Luluc Passerby
    Hollerado White Paint
    King Creosote From Scotland With Love
    The Ramona Flowers Dismantle And Rebuild
    Graveyard Train Hollow
    Dakota Suite & Quentin Sirjacq There Is Calm To Be Done
    Xeno & Oaklander Par Avion
    WIZO Punk gibt's nicht umsonst! (Teil III)

    Weitere Neuveröffentlichungen dieser & der nächsten Woche finden sich im SPEX-Kalender.

  • SPEX präsentiert live

    La Roux

    SPEX präsentiert die aktuellen Tourneen von Die Nerven, Heimatlieder aus Deutschland, Neutral Milk Hotel, Perfect Pussy, Thurston Moore, Lauryn Hill, Goat, Azealia Banks, Angel Olsen, Fat White Family, Sohn, Denovali Swingfest, Agnes Obel, Caribou, Kreisky, Maxïmo Park, Mutter, My Brightest Diamond, St. Vincent, Trümmer, Spoon, Lykke Li, Mac DeMarco, Kate Tempest, La Roux, Interpol.

    Alle Termine finden sich in der SPEX-Präsentationsübersicht.

  • SPEX–Ticketshop

    SPEX-Tickets gibt es hier!


Spex International
Read more English Spex articles

Blogs