Wiley

Playtime Is Over

Text: Matthias Schönebäumer

Als Teil der Roll Deep-Crew gehört Wiley zu den Begründern der britischen Grime-Szene und gilt Produzenten wie Dizee Rascal und Mike Skinner als musikalische Vaterfigur. Trotz Ikonen-Status und einigen beachtlichen Verkaufszahlen abseits des Undergrounds hat Wiley nun offenbar genug: Sein neues Album »Playtime Is Over« wird zugleich der letzte Release des Rappers und Produzenten sein, der sich zukünftig außerhalb der Szene engagieren will. Als melancholischer Abgesang will sich »Playtime Is Over« dennoch nicht so recht erschließen. Stattdessen beweist das Album auf beeindruckende Weise noch einmal warum sich Grime noch vor wenigen Jahren zu den wenigen wirklich relevanten Musikrichtungen zählen ließ. Druckvolle Tracks wie »Hyboy« und »Stars« beziehen ihre unmittelbare Funkyness vor allem aus den minimalen Strukturen, die das von Wiley quasi im Selbstversuch erdachte Subgenre »Eskibeat« definieren. Einzig bei den doch recht lauschig geratenen Stücken »Baby Girl« und »Come Lay With Me« leistet sich Wiley einen lupenreinen R&B-Verweis, der jedoch weitgehend kitschfrei ausfällt. Hatte sich Wileys ungestümer Rap-Stil im Kontext der Mainstream-Kompatibilität der Roll Deep-Crew größtenteils abgeschliffen, entwickelt »Playtime Is Over« nun einen konzentrierten Drang, der sich aber nur vereinzelt mit der rauhen Frische seines Debütalbums »In At The Deep End« messen lässt. Viele der insgesamt 16 Tracks atmen eine gewisse Ruhe, eine Abgeklärtheit, die sich auch in den sehr sorgfältigen Arrangements ausdrückt. So sehr Wileys Abschied von der aktiven Grime-Szene auch zu bedauern sein wird, sollte »Playtime Is Over« auch als möglicher Ausblick verstanden werden. Eine Antwort auf den sich andeutenden kreativen Stillstand des Genres, das in Sachen Potential und Nachhaltigkeit mittlerweile von der umtriebigen Dubstep-Szene links überholt wird, lässt sich vielleicht auf diesem Album finden.

LABEL: Bid Dada / Ninja Tune | VERTRIEB: RTD | VÖ: 01.06.2007

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