Organ Eye
Organ Eye
Text: Kai Ginkel
»Organ Eye« ist ein sehr provozierendes Album, obgleich es auf den ersten Eindruck lasch, dünn und kalt produziert klingen könnte. Dieser Eindruck jedoch gehört offenbar zu der intuitiv zusammengetüftelten Strategie, mit der dieses Quartett die Zuhörenden bei angespanntem Interesse hält, so dass sich vor deren erstaunten Ohren aus vermeintlichem Geplätscher mehr und mehr ein halbelektronisches Drone-Highlight entfaltet.
Wie der Name schon sagt fühlen sich die Agierenden doch recht beträchtlich der Orgel (sowie weiteren Instrumenten) verbunden. Auch wenn das Ergebnis nach ausgiebiger Bearbeitung sehr abstrakt und auch »künstlich« klingt, verleiht dieser Bezug der Musik eine besonders eindringliche, wunderbar flächige Note, die vielleicht hauptverantwortlich ist für den eigenartigen Reiz, den man den beiden Stücken (je 20 Minuten) nicht absprechen kann. Man fühlt sich etwas an Oren Ambarchi erinnert, der zwar eindringlicher ist und größeren Wert auf das Hinhalten und das Verschrobene, das Kantige legt. Organ Eye jedoch haben mit ihm den konsequenten Sinn dafür gemeinsam, für die richtige Aussage den richtigen Moment in einem harmonischen Zusammenspiel aus augenscheinlich purer Klangarbeit und einer sehr unmittelbaren Tiefe zu finden: Es ist erstaunlich, wie es der Gruppe um die beiden Osso Exótico-Mitglieder David Maranha und Patricia Machas gelingt, besonders im zweiten Teil so viel Schönheit und Glanz aus Elementen herauszuholen, die in einem anderen Zusammenhang schlichtweg Schmerz und nicht viel mehr verbreiten würden.
LABEL: Staubgold
VERTRIEB: Hausmusik
VÖ: 13.04.2007

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